Berufungsprozess: Flüchtlingskind fast gestorben
Flehen des Vaters ist vergebens

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Bayern
28.04.2015
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Das Asylbewerberpaar aus Serbien war verzweifelt, flehte um Hilfe für sein lebensgefährlich erkranktes Kleinkind. Doch in der Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf rief keiner der Mitarbeiter den Notarzt; stattdessen wurde die Familie zu Fuß zu einer zwei Kilometer entfernten Kinderärztin geschickt. Der Junge überlebte knapp.

Am Montag wurde der Fall aus dem Dezember 2011 vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth erneut aufgerollt. In erster Instanz waren zwei Wachmänner und eine Angestellte wegen fahrlässiger Körperverletzung beziehungsweise unterlassener Hilfeleistung zu Geldstrafen verurteilt worden. Einen Arzt hatte das Amtsgericht hingegen freigesprochen.

Berufung eingelegt

Gegen das Urteil legten mit Ausnahme des Mediziners sämtliche Prozessbeteiligte Berufung ein. In dem neuen Prozess schilderte der Vater des damals eineinhalb Jahre alten Kindes daher erneut den dramatischen Ablauf des Geschehens. Sein Sohn hatte am Vorabend hohes Fieber bekommen; der herbeigerufene Arzt habe ihn aber nur oberflächlich untersucht. In der Nacht verschlechterte sich der Zustand des Jungen massiv, am Morgen war seine Haut mit schwarzen Flecken übersät. "Das war der Horror", schilderte der 27-Jährige. Er habe Hilfe an der Pforte gesucht, doch der Wachmann habe ihn weggeschickt, einen Krankenschein zu besorgen. Als er diesen nach längerem Hin und Her endlich bekommen habe, habe dennoch niemand einen Krankenwagen oder ein Taxi gerufen. Letztlich habe eine Mitarbeiterin der Gesundheitsstation die Familie zu Fuß losgeschickt.

Ein Autofahrer sammelte die Familie unterwegs auf, die Ärztin rief sofort die Rettung. Im Krankenhaus kämpften die Ärzte tagelang um das Leben des Kindes, das sich eine bakterielle Infektion eingefangen hatte und immer von der Krankheit gezeichnet sein wird. Die angeklagte Angestellte erschien am Montag nicht vor Gericht; das Verfahren gegen sie wurde abgetrennt. Von den anderen Angeklagten erklärte sich nur der Mediziner zu einer Aussage bereit. Er wies den Vorwurf der oberflächlichen Untersuchung zurück. Das Urteil wird am 6. Mai erwartet.
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