Bewährung für Wildschweinjäger

Der Jäger kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Bild: dpa
Archiv
Bayern
20.02.2015
1
0

Ein Jäger nimmt vom Hochsitz aus ein Rascheln im Maisfeld wahr. Er vermutet ein Wildschwein und schießt. Doch tödlich getroffen wird ein Mann, der im Drogenrausch im Wald unterwegs war. Der Schütze wurde nun verurteilt.

Für den tödlichen Schuss auf einen Menschen ist ein Jäger aus Oberfranken wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 54-Jährige sei ein erfahrener Jäger gewesen und habe dennoch auf etwas geschossen, das er nicht eindeutig als Wildschwein identifizieren konnte, sagte Richter Claus-Peter Riedelbauch am Donnerstag zur Urteilsbegründung vor dem Amtsgericht in Wunsiedel. Er habe einen "Kardinalsfehler der Jagd" begangen.

Der Jäger hatte im Herbst 2012 von seinem Hochsitz aus in den frühen Morgenstunden Bewegungen in einem Maisfeld wahrgenommen, dort ein Wildschwein vermutet und geschossen. Statt eines Tieres wurde jedoch ein Mann (26) tödlich getroffen.

Es sei zwar zugegebenerweise ungewöhnlich, zu dieser Zeit einen Menschen in der Natur zu erwarten, sagte der Richter weiter. Aber man könne es eben auch nicht ausschließen. "Jeder Mensch hat freien Zugang zur Natur. Sowohl Jogger als auch Pilzesucher. Und eben auch Drogen über die Grenze schmuggelnde, mit Crystal Meth vollgepumpte Menschen."

Widersprüchliche Aussagen

Vor Gericht verstrickte sich der Angeklagte in Widersprüche. So behauptete er, er sei davon ausgegangen, auf ein Wildschwein zu schießen. Später sagte er, der Schuss habe sich versehentlich gelöst, als er das Gewehr senkte, weil er das Wildschwein nicht sicher erkennen konnte.

Der Jäger muss auch 3000 Euro an ein Drogenpräventionsprojekt in Hof zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verlegung des Verfahrens an das Landgericht und eine Anklage wegen vorsätzlicher statt fahrlässiger Tötung gefordert. Der Staatsanwalt äußerte sich zunächst nicht dazu, ob er gegen das Urteil vorgehen will.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.