Biber nagen an der Staatskasse

Biber stehen unter Naturschutz und richten in ganz Bayern große Schäden an. Archivbild: dpa
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Bayern
09.06.2015
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Die Oberpfalz hat mit die meisten Biberschäden in Bayern. Hauptgrund dafür sind die vielen Fischteiche, die die Nager nach ihren Bedürfnissen umgestalten wollen. Hier entstanden im vergangenen Jahr Schäden von mehr als 100 000 Euro.

Insgesamt wurden bei den Behörden der Oberpfalz 216 Fälle aus der Land-, Teich- und Forstwirtschaft mit einem Gesamtschaden von 163 400 Euro gemeldet. Schlimmer erwischte es nur Niederbayern mit einer Schadenssumme von 213 000 Euro. Das geht aus einer Auflistung des Umweltministeriums auf Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Herbert Woerlein hervor. Schadensschwerpunkte in der Oberpfalz waren demnach die Kreise Tirschenreuth (60 000 Euro) und Schwandorf (36 000 Euro). Glimpflicher kamen die Kreise Amberg-Sulzbach (21 000 Euro) und Neustadt/WN (12 200 Euro) davon.

Nur teilweise kompensiert

Bayernweit richteten die geschätzt 16 000 Biber in 1263 Fällen Schäden in der Landwirtschaft an, die Schadenssumme belief sich auf gut 710 000 Euro. Neben Niederbayern und der Oberpfalz waren vor allem Oberbayern und Schwaben betroffen, die fränkischen Bezirke folgten erst mit großem Abstand. Die höchsten Schäden gab es in der Forst- und Teichwirtschaft, hinzu kamen Fraß-, Flur- und sogenannte Vernässungsschäden sowie Beschädigungen an Traktoren und Feldfahrzeugen. Auf Basis der bayerischen Entschädigungsregelung wurden den Betroffenen die entstandenen Kosten nur zu knapp zwei Drittel ersetzt.

In dem bis Ende 2016 laufenden Programm sind jährlich 450 000 Euro als Entschädigungssumme eingestellt, eine höhere Förderung ist wegen EU-Vorgaben nicht möglich. Die SPD fordert deshalb in einem Landtagsantrag, bei der EU ab 2017 eine Erhöhung der Mittel auf 700 000 Euro pro Jahr zu beantragen. Damit wäre es möglich, die Ausgleichsleistungen den Schäden anzupassen, begründete die SPD ihren Vorstoß.

Zudem erneuerte die Partei ihre Forderung nach der gesetzlichen Ausweisung von Gewässerrandstreifen, die von einer landwirtschaftlichen Nutzung freigehalten werden müssen. Hintergrund dafür sind Erhebungen des Landesamtes für Umwelt, wonach rund 90 Prozent der Biberschäden im Abstand von weniger als zehn Metern zu einem Gewässer auftreten.

Ministerium lehnt ab

Das Umweltministerium lehnt eine entsprechende, nach dem Wasserhaushaltsgesetz des Bundes mögliche Vorschrift ab, weil diese zu pauschal und den jeweiligen örtlichen Begebenheiten nicht angepasst sei. Nach dem bayerischen Wassergesetz sei die Anordnung von Gewässerrandstreifen aber im Einzelfall möglich. Auch lehnt das Ministerium eine Ausweitung der Entschädigungsleistungen auf Privatpersonen und Kommunen ab. Die Übernahme von Biberschäden sei eine freiwillige Leistung des Freistaats, um die Akzeptanz der Biberpopulationen zu erhöhen, und sollte deshalb auf den Kreis der Hauptgeschädigten in der Landwirtschaft begrenzt bleiben, so das Ministerium.
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