Bürger bringen Berge von Hilfsgütern zum Bahnhof
Münchener Willkommenskultur

"Weltstadt mit Herz" - über viele Jahre der Slogan Münchens. Hunderte Mineralwasserflaschen waren in dieser Woche Symbole für die Hilfsbereitschaft gegenüber den angekommenen Flüchtlingen. Bild: dpa
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Bayern
03.09.2015
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Es sind Bilder, die um die Welt gehen: Berge von Lebensmitteln, Wasserflaschen, Windeln und Hygieneartikeln, die sich vor dem Münchener Hauptbahnhof türmen. Kisten mit Stofftieren für Kinder aus Syrien oder Afghanistan, die nach einer langen Flucht per Zug endlich hier in München angekommen sind. Die Züge mit Tausenden Flüchtlingen, sie haben am Montag und Dienstag eine Welle der Hilfsbereitschaft in der bayerischen Landeshauptstadt ausgelöst. Er sei ausgesprochen stolz, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Mehr als benötigt

Es waren Hunderte Spender, die am Dienstag Lebensmittel, Kleidung, Zahnbürsten, Windeln und andere Geschenke zum Hauptbahnhof brachten. Und nicht nur das: Zahllose freiwillige Helfer verteilten sie zusammen mit Beamten und Hilfsorganisationen an die Flüchtlinge. "Wir finden das super!!!", twitterte die Polizei - bis es dann sogar zu viel wurde: So groß waren die Berge an Spenden, dass die Polizei schließlich über den Kurznachrichtendienst mitteilen musste: "Bitten euch aktuell keine Sachen mehr zu bringen." Die Spenden reichten aus. Auf Facebook und Twitter wird München seither gefeiert. "Es gibt viele Gründe, München zu lieben. Gestern ist ein weiterer dazu gekommen", lautete am Dienstag eine von vielen Kurznachrichten.

"Glanzlicht-Deutschland"

Und auch die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, jubelt, sie sei zutiefst beeindruckt und bewegt und "überwältigt von dem herausragenden Einsatz der Münchnerinnen und Münchner". "Gestern haben wir auf beeindruckende Weise erlebt, dass wir nicht nur in einem neuen Jahrtausend leben, sondern in einem anderen Land. Einem Land der Menschlichkeit, des Verantwortungsbewusstseins und der Zivilcourage. Ein Land, auf das wir stolz sein dürfen und sollten!" Knobloch erfindet ein neues Wort: "Glanzlicht-Deutschland".

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass München in derlei Dingen positiv von sich reden macht: Kundgebungen des bayerischen Pegida-Ablegers stellte sich im vergangenen Jahr stets ein Vielfaches an Gegendemonstranten entgegen. Und Anfang Februar bildeten 15 000 Menschen eine Lichterkette - als Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

Am Dienstag übertrumpfte die Münchener Bevölkerung mit ihrem Engagement jedenfalls alle anderen Nachrichten, die in Sachen Flüchtlingspolitik aus dem Freistaat kamen: etwa Innenminister Joachim Herrmann (CSU), dem vor laufenden Fernsehkameras das Wort "Neger" über die Lippen kam. Und während ehrenamtliche Helfer in München Stofftiere an Kinder verteilten, eröffnete Sozialministerin Emilia Müller (CSU) in Manching bei Ingolstadt das bundesweit erste Aufnahmezentrum speziell für Balkan-Flüchtlinge. Und macht dem Vater zweier Kinder, die die ganze Szenerie mitansehen, vor laufenden Kameras lapidar klar: "Sie wissen aber, dass Sie zurück müssen." Um die Welt gingen am Dienstag aber vor allem die Bilder aus München.
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