Charmeoffensive unter Strom

Foto aus HUP-Import
Archiv
Bayern
03.06.2015
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"Diese Firma hat in Bayern verbrannte Erde hinterlassen", ätzte Ministerpräsident Horst Seehofer über den Netzbetreiber. Amprion schien nach der Kritik untergetaucht. Mit einer Charmeoffensive meldet sich das Dortmunder Unternehmen nun zurück.

"Ich hoffe, Sie nehmen von heute etwas mit", sagt Jörg Weber. Amprions Unternehmenskommunikator meint nicht die Rühreier vom Büfett des Pressefrühstücks. Gemeint ist der gute Wille der Dortmunder: Die drei höflichen Herren bitten um Versachlichung der Debatte. Zerknirscht gibt Peter Barth, Leiter Netzentwicklung, Kommunikationsfehler zu. Und Pressesprecher Thomas Wiede möchte die GmbH, die zu 74,9 Prozent der Beteiligungsgesellschaft M31 - institutionelle Anleger wie Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerken - sowie zu 25,1 Prozent der RWE AG gehört, wegrücken vom Image der Monstertrassen und Vollstrecker vollendeter Tatsachen.

"Wir haben unseren Instrumentenkasten erweitert", gibt der Sprecher unweit der Oper etwas gewunden zu, dass das bayerische Stromtheater Bewegung in die Planung brachte. "Uns ist bewusst, dass in der Vergangenheit der Eindruck entstehen konnte, man kommt erst, wenn die Entscheidungen schon getroffen sind", übt sich Wiede inzwischen in Selbstkritik.

Bündeln und bestehende Infrastruktur nutzen, habe oberste Priorität: Kann die Strecke mit Autobahn, ICE- und Hochspannungstrasse noch genutzt werden oder führt das zu einer "Überbündelung"? "Es ist schon heute gängige Praxis, die vorhandenen Netze zu prüfen", ergänzt Ingenieur Barth, "um dann zum Beispiel mit der Bahn zu sprechen, ob wir uns mit dranhängen können".

Kürzlich unterbreiteten die Vertreter von Amprion den Trassengegnern im oberfränkischen Creußen, wo die Gleichstrompassage Süd-Ost vorbeiführen könnte, ein verführerisches Angebot: Anstelle bis zu 80 Meter hoher Stahlungeheuer, könne man eine alte Trasse nutzen, auf der eine 110-KV-Wechselstromleitung verläuft - sie könne unter die Erde wandern. Die bestehenden Masten würden zu Gleichstromkompaktmasten (siehe Grafik) aufgestockt - auf etwa 45 Meter. "Wir wissen, dass es für Gemeinden kaum Entwicklungsraum gibt", sagt Weber. "Wir können helfen, indem wir Trassen verlegen, an die Siedlungen herangewachsen sind."

Amprion, dein Stromfreund und Trassenhelfer? Das Trio versucht nach Kräften, das Bild vom arroganten Planer am Grünen Tisch zu korrigieren. "Unser Eindruck ist, dass man uns als diejenigen wahrnimmt, die die große zentrale Achse bauen", wehrt sich Barth. "Richtig ist aber, dass wir den massiven Ausbau der dezentralen Energien planen." Amprion investiere nicht nur rund eine Milliarde Euro in die Nord-Süd-Achse, sondern bis 2023 rund 4,5 Milliarden Euro in den gesamten Netzausbau. "Viel davon zur Einspeisung regenerativer Energien."

Die Firmenvertreter präsentieren sich als Dienstleister im öffentlichen Interesse: "Wir stehen mit dem gesetzlichen Auftrag da, eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten", sagt Weber. Für die Übertragungsnetzbetreiber sei die von der Bundesregierung initiierte Energiewende ein historisches Projekt: "Wir lernen dabei selbst dazu, das muss so sein."
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