Chef-Drogenfahnder gesteht

Der ehemalige Drogenfahnder ist vor dem Landgericht Kempten unter anderem wegen des unerlaubten Besitzes von Drogen angeklagt. Bild: dpa
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Bayern
27.01.2015
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Es begann mit einem Ehestreit - und gipfelte in einem Drogenskandal bei der Kemptener Polizei. 1,8 Kilo Kokain wurden im Dienstschrank des ehemaligen Chef-Drogenfahnders (53) gefunden. Jetzt hat der Prozess gegen ihn begonnen - mit einem Geständnis.

Jahrelang war er für die Drogenbekämpfung im Allgäu zuständig. Jetzt steht der ehemalige Leiter der Kemptener Drogenfahndung selbst wegen Drogenbesitzes vor Gericht. 1,8 Kilo Kokain hatten Kollegen vor knapp einem Jahr in seinem Dienstschrank gefunden. Die Drogen habe er für sich verwenden wollen, gab der 53-jährige Beamte am Montag vor dem Landgericht Kempten zu Protokoll. "Die waren für den privaten Gebrauch bestimmt."

Als der Angeklagte mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt wird, wirkt er gelassen. Minutenlang stellt er sich im dunklen Anzug dem Blitzlichtgewitter der Fotografen. Regungslos vernimmt er die Anklage. Auch als Details der brutalen Übergriffe auf seine Frau zur Sprache kommen, bleibt sein Blick ausdruckslos. Er verliest eine Erklärung, in der er die Vorwürfe weitgehend einräumt. An manches erinnere er wegen seines Drogenkonsums jedoch nicht mehr. "Ich sehe die Schwere meiner Fehler und werde mich für mein Verhalten verantworten", sagt er. "Mir ist bewusst, dass ich dem Ruf der Polizei geschadet habe." Dafür entschuldige er sich.

Der Beamte muss sich auch wegen gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung seiner Frau verantworten. Vor einem Jahr soll er die 49-Jährige gewürgt, geschlagen und ihr gedroht haben, ihr die Kehle durchzuschneiden. Auf der Flucht war die Frau vom Balkon aus dem ersten Stock gestürzt. Dabei erlitt sie Verletzungen an der Wirbelsäule. "Sie leidet noch immer physisch und psychisch an den Folgen dieser Tat", sagt der Staatsanwalt.

Ehefrau vergewaltigt

Kurze Zeit nach ihrer Entlassung aus der Klinik soll der Angeklagte seine Frau erneut gewürgt, geschlagen und zudem vergewaltigt haben. Wenig später wird er von Polizeibeamten in seinem Auto gestoppt und festgenommen. Dabei soll er mit knapp 1,5 Promille erheblich alkoholisiert gewesen sein und unter Drogeneinfluss gestanden haben. Als die Diensträume des leitenden Beamten in Kempten durchsucht werden, kommen 1,8 Kilo Kokain ans Tageslicht. "Ich weiß, dass ich ein Suchtproblem habe", sagt der 53-Jährige. Bevor er bei der Drogenfahndung tätig wurde, habe er keinen Kontakt zu Drogen gehabt.

"Dann passierte das, was einem Polizeibeamten nicht passieren darf." Er habe der Versuchung nicht widerstehen können und irgendwann Kokain probiert. Von 2007 an habe sich sein Konsum gesteigert, später seien Medikamente und Alkohol dazu gekommen. Er sei immer aggressiver geworden.

Nach dem Streit mit seiner Frau Mitte Februar habe er auf die Dienststelle fahren wollen, um sich zu erschießen. Die Angriffe auf seine Frau räumte der Angeklagte zumindest teilweise ein. Allerdings gab er an, sich nicht an Details erinnern zu können. Er entschuldigte sich jedoch bei seiner Frau, die als Nebenklägerin den Prozessauftakt nicht verfolgte. Laut Verteidigung hat es bereits einen Täter-Opfer-Ausgleich gegeben. 35 000 Euro Schmerzensgeld zahlte der Mann an seine Frau.

Zur Herkunft des Kokains machte der Angeklagte keine Angaben. Sicher sei aber: "Alle aufgefundenen Drogen wurden vor mehreren Jahren an mich beziehungsweise an die Kripo überlassen." Der Prozess könnte schneller als erwartet ein Ende finden. In einer Absprache wurde für den Fall eines Geständnisses ein Strafkorridor von sechseinhalb bis sieben Jahren festgelegt.
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