Das Bayerische Rote Kreuz ruft in der Flüchtlingskrise um Unterstützung: Ehrenamtliche Helfer ...
Hürden für die Hilfsbereitschaft

BRK-Präsident Theo Zellner: "Die ehrenamtlichen Helfer sind nicht mehr länger in der Lage, diese humanitäre Katastrophe zu bewältigen."
Archiv
Bayern
08.10.2015
15
0
Angesichts der hohen Flüchtlingszahlen fordert das Bayerische Rote Kreuz (BRK) dringend Unterstützung. "Die ehrenamtlichen Helfer sind nicht mehr länger in der Lage, diese humanitäre Katastrophe zu bewältigen", sagte BRK-Präsident Theo Zellner am Mittwoch in München. Die Ehrenamtlichen leisteten hervorragende Arbeit. Aber wenn der Ausnahmezustand zum Alltag werde, stoße dieses Engagement an seine Grenzen.

Weniger Bürokratie

Politik und Gesellschaft könnten nicht erwarten, dass Krisenlagen in dieser Dimension von Freiwilligen bewältigt werden, sagte Zellner. Das BRK verlangt weniger Bürokratie sowie Entlastung durch hauptamtliches Personal, etwa durch Bundeswehrsoldaten. Derzeit leisten nach Angaben Zellners ausgebildete ehrenamtliche Sanitäter in den Auffangzentren entlang der deutsch-österreichischen Grenze rund um die Uhr medizinische Hilfe oder begleiten Züge mit Flüchtlingen quer durch Deutschland. Sie könnten nicht ohne weiteres durch Unterstützer etwa aus den vielen Helferkreisen ersetzt werden, da diese nicht über die notwendige Ausbildung verfügten und zum Beispiel keine Medikamente verabreichen dürften.

Zellner beklagte eine mangelnde Solidarität anderer Bundesländer und innerhalb Europas. Bayern müsse den Druck auf Berlin und Brüssel weiter erhöhen. Besonders schwierig sei die Situation rund um Passau, Freilassing und Simbach am Inn, wo besonders viele Flüchtlinge über die deutsch-österreichische Grenze kommen.

Viele Neuankömmlinge erreichten Bayern mit Krankheiten und mitunter schweren Verletzungen, sagte der BRK-Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter aus Berchtesgaden. Sie seien damit oft durch mehrere EU-Länder gereist. "Das kann nicht sein, dass wir erst in Deutschland mit der Versorgung anfangen, das hätte schon viel früher passieren müssen", kritisierte Halter.

Aggressive Stimmung

Die Stimmung unter den Flüchtlingen sei bisweilen aggressiv, vor allem wenn sie unter notdürftigen Umständen bis zu 20 Stunden auf den Weitertransport in bessere Unterkünfte warten müssten. Auch zwischen den Volksgruppen gebe es manch handgreifliche Auseinandersetzungen. Die Tendenz sei steigend, sagte Herbert Wiedemann, BRK-Kreisgeschäftsführer im Landkreis Rottal-Inn.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.