Dating-Portale im Visier

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Bayern
26.06.2015
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Die große Suche nach der Liebe im Internet - da lassen viele User die Hosen runter, geben viel Persönliches Preis. Der bayerische Datenschutz wirft jetzt verstärkt ein Auge drauf.

Das bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (LDA) nimmt derzeit Online-Dating-Portale unter die Lupe. In einer bundesweit abgestimmten Aktion überprüft die Behörde, wie die Betreiber der Kontaktbörsen im Internet mit den oft sehr persönlichen Daten der Nutzer umgehen. Ziel sei es, die Dating-Portale auf die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorgaben hinzuweisen, erklärte LDA-Präsident Thomas Kranig.

"Kaufhaus-Tracking"

In einer weiteren Aktion wird sich die Behörde dem so genannten "Kaufhaus-Tracking" widmen. Dabei verfolgen die Läden von den Kunden unbemerkt über deren Smartphones, welche Wege sie im Haus nehmen und bei welchen Warengruppen sie länger verweilen. Ziel sei es, diese Daten zu Werbezwecken auszuwerten. Auch hier stellten sich gravierende Fragen des Datenschutzes, so Kranig. In seinem Tätigkeitsbericht listete der Behördenchef im Rechtsausschuss des Landtags für das Jahr 2014 insgesamt 953 datenschutzrechtliche Beschwerden über bayerische Firmen auf. Etwa die Hälfte davon habe sich als berechtigt erwiesen. In 64 Fällen habe das Verfahren mit der Verhängung eines Bußgeldes geendet. Des weiteren habe man fast 3000 Beratungen durchgeführt.

"Wir wollen in erster Linie präventiv wirken, damit Datenschutzverstöße erst gar nicht entstehen", berichtete Kranig. In vielen, vor allem kleineren Unternehmen sei die "Sensibilität in Sachen Datenschutz gleich Null". Viele Verstöße hätten ihre Ursache deshalb weniger in böser Absicht, als vielmehr in Unkenntnis. In der abgelaufenen Berichtsperiode hat sich das Landesamt unter anderem mit der Weitergabe von Patientendaten durch Ärzte an medizinische Labors und der Speicherung gesundheitsrelevanter Daten der Nutzer von Fitness-Studios beschäftigt. Dabei wurde im Rahmen einer Stichprobe festgestellt, dass unzulässig viele personenbezogene Daten weitergegeben oder gespeichert wurden.

Bei einer Überprüfung von Autohäusern wurde festgestellt, dass beim Autokauf das Hinterlegen einer Kopie des Personalausweises vielfach gängige Praxis ist. Dabei dürften die Häuser persönliche Daten wie Körpergröße oder Augenfarbe nicht zu ihren Akten nehmen.

Zu wenig Personal

Beim technischen Datenschutz überprüfte das Landesamt den Fluss personenbezogener Daten über Handy-Apps oder bei Smart-TV-Geräten. Hier forderte Kranig die Hersteller zu transparenten Datenschutzvereinbarungen mit ihren Kunden auf. Viele Nutzer seien sich nicht im Klaren darüber, welche und wie viele Daten die Unternehmen unbemerkt abgreifen würden. Um den vielfältigen Aufgaben nachzukommen, warb Kranig für eine bessere Personalausstattung seines Amtes. "Wir stoßen personell an allen Ecken und Enden an unsere Grenzen", erklärte Kranig. Derzeit verfüge das Amt nur über 16 Stellen. Mit der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung kämen weitere Aufgaben dazu. "Ich blicke bange in die Zukunft, wenn ich mir anschaue, wie wir gerade aufgestellt sind", so Kranig.
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