Dauerlächeln und tausende Handy-Fotos

Das Nürnberger Christkind, Teresa Treuheit, ist vor Weihnachten auf Rundtour durch die Stadt. Bild: dpa
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Bayern
18.12.2014
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Den Prolog des Nürnberger Christkinds verfolgen jedes Jahr tausende Menschen - auf dem Hauptmarkt und im Fernsehen. Doch das weihnachtliche Aushängeschild der Stadt hat noch viele andere Aufgaben.

Christkind zu sein, das ist harte Arbeit. 150 Termine in knapp vier Wochen, kein Tag Pause, oft kalte Hände und Füße - und das ganz ohne Bezahlung. Und trotzdem ist es für Teresa Treuheit der Traumjob schlechthin: "Es ist so toll, dass man den Menschen eine Freude machen kann, einfach indem man in den Raum kommt."

Zum zweiten Mal verkörperte die 19-Jährige in diesem Jahr das berühmte Nürnberger Christkind. Von morgens bis abends besuchte sie Altenheime, Krankenhäuser, Kindergärten, Obdachlose und Weihnachtsmärkte. Dabei brauchte sie vor allem Geduld, warme Unterwäsche und ein freundliches Lächeln für Abertausende von Fotos.

Erinnerungen an Kindheit

In der Kindertagesstätte wird es staunend empfangen. Die blonden Locken, die goldene Krone und das weiße Gewand mit den goldenen Flügeln machen mächtig Eindruck. Nach dem Geschenkeverteilen geht es schnell weiter. Noch eine Kita. Leiterin Julia Bleidißel, erzählt, es sei etwas ganz Besonderes für die Kinder, wenn das Christkind kommt.

Teresas Lieblingstermine sind jedoch in Altenheimen, bei Behinderten oder Schwerkranken. "Die freuen sich am allermeisten. Viele alte Menschen fangen sogar an zu weinen, wenn sie mich sehen. Viele erinnern sich dann an ihre Kindheit." Danach zur Straßenambulanz. Die Caritas hat eine Weihnachtsfeier für Wohnungslose, Drogenabhängige und bedürftige Menschen organisiert.

Kaum freie Zeit

"Freilich ist es anstrengend", gibt Teresa zu. "Zum Beispiel wenn es sehr unruhig ist auf den Terminen, die Kinder laut sind und man dagegen anschreien muss. Und natürlich die Marktbegehungen mit unendlich vielen Fotos." Dann ist sie nur noch am Lächeln und Geknipstwerden. Zeit für Treffen mit Freunden hat Teresa in der Vorweihnachtszeit so gut wie nicht. Wenn sie abends nach Hause kommt, schaut sie eher noch einen Film und geht früh ins Bett.

Der letzte Termin an diesem Tag ist die Weihnachtsfeier der Stadtmission für Menschen in Wohnungsnot. "Selbst die ganz harten Jungs, die seit Jahren auf der Straße leben, werden butterweich, wenn das Christkind kommt", sagt Sprecher Thomas Warnken. Eines der vielen Fotos macht das Christkind diesmal zusammen mit Michael Lau. Seit seiner Jugend ist er Alkoholiker. "Für mich ist gerade ein Wunschtraum in Erfüllung gegangen", sagt der 56-Jährige. "Einmal neben dem Christkind stehen. Einmal ihr ganz nah sein. Sonst sieht man sie ja immer nur im Fernsehen."
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