Der Soziologe Ulrich Beck ist im Alter von 70 Jahren gestorben - Einflussreicher Intellektueller
Über das Leben und das Risiko

Ulrich Beck. Archivbild: dpa
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Bayern
05.01.2015
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Der Soziologe Ulrich Beck, einer der einflussreichsten deutschen Intellektuellen, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Dies bestätigte am Samstag eine Sprecherin des Suhrkamp-Verlags in Berlin. Nach einem Bericht von Süddeutsche.de erlag Beck am 1. Januar einem Herzinfarkt. Als Vordenker und Risikoforscher prägte Beck viele politische Debatten der vergangenen Jahrzehnte.

Berühmt wurde er 1986 mit dem Bestseller "Risikogesellschaft", der in mehr als 35 Sprachen übersetzt und 2007 mit dem Buch "Weltrisikogesellschaft" aktualisiert wurde. SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Beck als "präzisen Analytiker und hoch geschätzten Ratgeber": "Wir alle wurden in den letzten 30 Jahren von seinen paradigmatischen Begriffen und Theoremen beeinflusst, die nicht nur die internationale Forschung, sondern auch den politischen Diskurs voranbrachten."

Wichtige Impulse

Auch Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) betonte am Sonntag: "Er hat den Entscheidern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wichtige Impulse gegeben." Die Fraktionschefin der Landtags-Grünen, Margarete Bause, reagierte bestürzt: "Ulrich Beck war mein Lehrer und Mentor und hat mein Denken mitgeprägt." Sein Tod sei ein schmerzlicher Verlust. Nach Becks Analysen krankt die moderne Gesellschaft nicht an ihren Niederlagen, sondern an ihren Siegen: Der weltweite Terrorismus ist Konsequenz eines Sieges der Moderne. Die Klimakatastrophe droht, weil die Industrialisierung so erfolgreich war. Die Massenarbeitslosigkeit folgt aus den Produktivitätsgewinnen.

Die Alterspyramide sprengt die Sozialsysteme, weil die Medizin die Menschen länger leben lässt. Becks Ausführungen zur sozialen Konstruktion globaler Risiken in der "zweiten Moderne" fanden viel Zustimmung: Weil das Risiko - als Vorwegnahme einer möglichen Katastrophe - nicht messbar ist, hängt sein gefühltes Ausmaß von der Definition ab. Es kann dramatisiert oder minimiert, verwandelt oder geleugnet werden. Und es muss sichtbar werden - etwa als Wirbelsturm, der zum Vorboten der Erderwärmung erklärt wird.

Keine Kontrolle

Die globalen Weltrisiken, so argumentierte Beck, entziehen sich der Kontrollierbarkeit. Er kritisierte, dass die Politik mitunter den Schrecken inszeniere und die Terrorangst nutze, um ungehemmt Sicherheitsgesetze und Überwachungsinstrumente auf den Weg zu bringen. Mit Humor, griffigen Bildern und Bodenhaftung publizierte Beck - gelegentlich gemeinsam mit seiner Frau und Kollegin Elisabeth Beck-Gernsheim - einen Bestseller nach dem anderen. In "Das ganz normale Chaos der Liebe" (1990) und "Fernliebe: Lebensformen im globalen Zeitalter" (2011) beschrieb das Paar das Zerbrechen traditioneller Werte und Bindungen sowie die Folgen der Individualisierung.
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