Der vergessene Präsident

Josef Bierbichler als Kurt Landauer auf den Trümmern im Grünwalder Stadion. Bild: dpa
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Bayern
15.10.2014
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Kurt Landauer wurde von den Nazis zur Emigration gezwungen - und kehrte nach dem Krieg in das Deutschland zurück, das gerade seine Familie ausgelöscht hatte. Die ARD zeigt heute um 20.15 Uhr einen Film über den Mann, der den FC Bayern erfand.

Dass der FC Bayern Deutscher Rekordmeister ist, wissen die meisten. Dass er das Triple gewann, auch - und dass ein berühmter Ex-Präsident im Gefängnis sitzt, sowieso. Der Name Kurt Landauer aber ist in der Regel nur wirklichen Bayern-Fans ein Begriff. Dabei ist er im Grunde der Mann, der den Verein erfand und die Grundlage für einen internationalen Spitzenclub und ein erfolgreiches Unternehmen legte.

Erster Titelgewinn 1932

Landauer führte den Verein 1932 zu seiner ersten deutschen Meisterschaft und er wurde erster Vereinspräsident nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Zeit dazwischen befand er sich im Schweizer Exil - und 30 Tage lang im Konzentrationslager Dachau. Kurt Landauer war Jude und wurde 1933 von den Nationalsozialisten abgesetzt.

Das Drama "Landauer - Der Präsident" setzt dem ehemaligen Fußball-Boss, der fast schon in Vergessenheit geraten war, nun ein Denkmal. Vor-Premiere feierte er beim Filmfest München. Josef Bierbichler spielt den Präsidenten, der ein Charakterkopf gewesen sein soll und schon mal seine Sekretärin mit den Worten anfuhr: "Habt ihr denn gar nichts gelernt außer "Heil Hitler" sagen?"

Mit einer kurzen Sequenz aus glücklicheren Tagen, bevor Hitler an die Macht kam, macht der Film einen Zeitsprung und setzt nach Kriegsende wieder ein - mit der Rückkehr Landauers in das Land, das seine komplette Familie ermordet hatte. Er findet ein zerbombtes München vor. Landauer aber macht mehr zu schaffen, was der Nationalsozialismus mit den Menschen angerichtet hat. Er freundet sich mit einem kleinen Jungen - dem Sohn eines SS-Mannes - an, der gelernt hatte, jüdische Menschen zu hassen.

Obwohl Landauer Deutschland nichts schuldet, will er seinen Herzensverein wieder aufbauen - und die Konkurrenz der 60er gleich mit. Denn, das weiß er, nur ein Lokalderby zwischen dem FC Bayern und 1860 München hilft dem Fußball in der Stadt wieder auf die Beine.

Sehr späte Würdigung

Umso erstaunlicher ist es, dass Karl-Heinz Rummenigge, der 1974 zu den Bayern kam, zehn Jahre lang für den Verein spielte, ohne den Namen Landauer je gehört zu haben. Erst 52 Jahre nach seinem Tod 1961, machte der FC Landauer zum Ehrenpräsidenten - dem dritten nach Franz Beckenbauer und Wilhelm Neudecker. Die Ultra-Fans ehrten ihn im Februar zum Holocaust-Erinnerungstag mit einer Choreographie.

Landauers Neffe Uri Siegel dazu: "Die Geschichte des FC Bayern beginnt nicht erst mit Beckenbauer. Aber es ist ein Problem, dass man die Vergangenheit - die gute und die schlechte - zu schnell vergisst."
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