Die Freiheit feiern

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) stellte während des Festakts anlässlich des Falls der innerdeutschen Mauer vor 25 Jahren die Freiheit in den Mittelpunkt seiner Rede in Selb. Zuvor hatte er das Grenzmuseum in Schirnding besucht, das den Alltag am Eisernen Vorhang in Erinnerung ruft. Bild: dpa
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Bayern
04.11.2014
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Die Grenze existiert nur noch im Modell. Ein Wachturm, Drahtzäune. Sie sind in einer Miniaturlandschaft im Grenzmuseum in Schirnding zu sehen. Der Ort, der für viele den Start in die Freiheit markiert. Am Montag war er Startpunkt eines Festreigens.

Kilometerlange Staus, Tausende von Menschen. Was sich in der Nacht vom 4. auf den 5. November 1989 an der deutsch-tschechischen Grenze bei Schirnding abgespielt hat, brannte sich ins Gedächtnis ein. "Diese Woche werde ich nie vergessen", erzählt Wolfgang Brauner, Zollamtmann und ehrenamtlicher Leiter des Grenzmuseums in Schirnding, Ministerpräsident Horst Seehofer. Alle hätten damals zusammengeholfen, um die Massen an DDR-Flüchtlingen zu versorgen, die über Prag in die Bundesrepublik einreisen wollten. Auf 75 000 Menschen innerhalb von neun Tagen beziffert die Chronik des Museums die Zahl der Einreisewilligen.

Der Stau, der sich vor dem kleinen Museum während des Besuchs der drei Länder-Chefs auf der Bundesstraße 303 bildet, nimmt sich da vergleichsweise klein aus. Das bayerische Grenzmuseum ist ein unscheinbares Häuschen, nur wenige Meter von der Grenze entfernt. 2004, als Tschechien der EU beitrat und auch in Schirnding endgültig die Grenzkontrollen eingestellt wurden, haben Zöllner und Grenzer begonnen, die Sammlung aufzubauen. Drei Jahre später entstand das Museum.

Direkt gegenüber steht das Werk der Firma Hart-Keramik. Dessen Mitgesellschafter, Luis-Andreas Hart, ist ein Förderer des Museums. Er bezeichnete den Grenzübergang Schirnding als einen Ort der Völkerverständigung. Zu Horst Seehofer sagte er: "Diese Region lebt tatsächlich von der Aufarbeitung der Geschichte." Seehofer dankte den ehrenamtlichen Betreibern des Museums dafür, dass "ihr dieses Gedenken wachhaltet". In dieser Form der Erinnerung an die Grenzöffnung sah er ein "unheimliches Beispiel für Bürgersinn". Bayern und Tschechien sollen immer weiter zusammenwachsen. Noch heuer will Seehofer die bayerische Vertretung in Prag eröffnen. Ein Ankündigung, über die sich der tschechische Kulturminister Daniel Herman sehr freute. "Das Aufarbeiten der Vergangenheit gehört zu den Prioritäten", betonte er gegenüber unserer Zeitung. Vor diesem Hintergrund sei die Einrichtung einer bayerischen Vertretung sehr wichtig.

Eine Sternstunde

Nach dem rund halbstündigen Besuch am geschichtsträchtigen Ort brauste der Politiker-Tross in Richtung Selb davon. Im Rosenthal-Theater richtete der Freistaat den offiziellen Festakt mit 400 Gästen aus Bayern, Tschechien, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie mit Vertretern des Konsularischen Korps aus. Dort hob Seehofer die aus der Freiheit resultierende Verantwortung hervor. "1989 war eine Sternstunde der Menschheit. Mutige und entschlossene Frauen und Männer haben durch ihren unüberhörbaren Protest die Mauer ins Wanken gebracht", erklärte er. "Wir verdanken den Fall des Eisernen Vorhangs einer unheimlich mutigen Bevölkerung, die mit allen Risiken für ihre eigene Gesundheit, für ihr Leben und für ihre Freiheit auf die Straße ging." Er sprach von "Helden der Freiheit". Seehofer dankte auch dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) für dessen "historische Leistung".

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Weitere Berichte zum Mauerfall:

http://www.oberpfalznetz.de/grenzoeffnung
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