Ehrenamt leicht gemacht

Ehrenamt ist keine Einbahnstraße. Das muss Oberbürgermeister Michael Cerny (links) den 15 Schülern der Amberger Dreifaltigkeits-Mittelschule nicht groß erklären. Die Jugendlichen helfen jeden Mittwochnachmittag zwei Stunden in einer gemeinnützigen Einrichtung. Bild: Huber
Archiv
Bayern
12.01.2015
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Anders als in anderen Regionen Deutschlands gibt es in Bayern keinen drastischen Rückgang an ehrenamtlichen Helfern. Etwa 300 000 Menschen engagieren sich als Jugendleiter, Schiedsrichter oder in anderen Funktionen - auch wenn Beruf und Freizeit ihren Tribut fordern.

Platzwart, Schiedsrichter, Schatzmeister oder Jugendleiter - etwa 300 000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in Bayerns Sportvereinen, schätzt Thomas Kern, Geschäftsführer des Bayerischen Landessportverbands (BLSV). "Genug Freiwillige gibt es nie", sagt er. Aber an dramatischem Personalmangel litten die rund 12 000 Sportvereine im Freistaat nicht. Gesellschaftlichen Veränderungen passten sie sich an.

Schlagworte wie berufliche Mobilität, demografischer Wandel und größeres Freizeitangebot skizzieren die Hauptprobleme, mit denen Vereine bei der Suche nach Ehrenamtlichen zu kämpfen haben. Thomas Kern nennt es den Zeitgeist. Auch Thomas Müther, Sprecher beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV), sieht das Ehrenamt im Wandel. Projektbezogen und flexibel müsse es sein, dann fänden sich auch Freiwillige.

Zeitvertrag und Teams

Gerade junge Leute müssten beruflich mobiler sein und könnten sich nicht über Jahre in feste Vereinsstrukturen fügen. Hilfreich sei es, wenn sich Freiwillige etwa nur für zwei Jahre für bestimmte Aufgaben verpflichten müssten. Oder wenn die Arbeit auf Teams und somit auf mehrere Köpfe verteilt würde.

Auch der BFV setzt verstärkt auf projektbezogenes Ehrenamt, bei dem sich Freiwillige nicht langfristig an einen Posten binden müssen und sich ihre Zeit flexibel einteilen können. In seinen 4682 Vereinen ist der BFV stark auf das Engagement ehrenamtlicher Helfer angewiesen. Ohne Ehrenamtliche laufe nichts, sagt Müther. Eine genaue Zahl, wie viele Ehrenamtliche in den Fußballvereinen tätig sind, gebe es nicht. Ein gewisser Schwund sei jedoch erkennbar.

Gerade in kleineren Vereinen erzeuge das Zukunftsängste, sagt Müther. Auch die Kommunen seien gefordert. Gemeinsames Ziel von Städten, Gemeinden und Verbänden müsse es sein, dass in allen Regionen Bayerns so viele Vereine wie nur möglich erhalten bleiben.

Auch steigende Anforderungen hielten Menschen ab, sich in Vereinen zu engagieren, sagt Kern. Vereinsvorsitzende oder Schatzmeister bräuchten gute steuerliche Kenntnisse. Deswegen sollten Kandidaten für ein Amt rechtzeitig angesprochen werden. Und wer sich freiwillig in Sportvereinen einbringe, sollte auch Anerkennung finden - etwa durch Verleihung von Ehrenamtspreisen.

Staatlich gefördert

Staatlicherseits werden Sportvereine mit Vereinspauschalen sowie Investitionszuwendungen für den Sportstättenbau unterstützt. Die Förderung des Ehrenamtes ist in der bayerischen Verfassung verankert: Per Volksentscheid hatte eine große Mehrheit dafür gestimmt, den Satz "Staat und Gemeinden fördern den ehrenamtlichen Einsatz für das Gemeinwohl" in der Landesverfassung festzuschreiben.
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