Ettaler Pater wegen Missbrauchs verurteilt

Der 44-jährige Pater steht im Verhandlungssaal des Landgerichts in München. Bild: dpa
Archiv
Bayern
12.03.2015
0
0

Er war eine Vertrauensperson - und nützte dies bei Kindern perfide aus. Ein Pater aus dem Kloster Ettal hat sich an Internatsschülern sexuell vergangen. Die Fälle liegen lange zurück. Doch erst jetzt hat der 45-Jährige seine Strafe bekommen.

Das Landgericht München II hat einen Ettaler Benediktinerpater (44) am Mittwoch wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen in 21 Fällen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Mit einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis blieb die erste Jugendkammer im unteren Bereich des Strafmaßes, das sie dem Angeklagten für ein Geständnis in Aussicht gestellt hatte.

Mildernd wirkte sich die Bereitschaft des Täters aus, dem Nebenkläger im Rahmen eines Vergleichs einen Schadenersatz in Höhe von 1500 Euro zu zahlen. Der Angeklagte nahm das Urteil ohne erkennbare Regung auf. In 21 Fällen hatte der frühere Präfekt und Religionslehrer zwischen 2001 und 2005 drei in seiner Obhut stehenden Schülern in die Hose gegriffen und sie am Geschlechtsteil gestreichelt. Die Opfer waren zwischen 12 und 15 Jahre alt. Die Haftstrafe wurde für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. In dieser Zeit muss sich der Pater einer ambulanten Sexualtherapie unterziehen, die er nicht ohne Zustimmung des Gerichts abbrechen darf. Die Opfer des Paters gaben an, sie hätten durch die Übergriffe keine behandlungsbedürftigen Schäden davongetragen. Auch dies wirkte sich auf das Strafmaß günstig aus.

Nach Abschluss des weltlichen Gerichtsverfahrens wird der Fall von der Abtei nach Rom weitergeleitet, wo über weitere kirchliche Sanktionen entschieden wird. Der Geistliche muss mit der Entfernung aus dem Klerikerstand rechnen. Auch gilt ein Verbleib im Kloster nicht als wahrscheinlich. Er lebt seit fünf Jahren nicht mehr in Ettal. Ein beruflicher Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist künftig ausgeschlossen.

Weil es um intime Details aus dem Privatleben des Angeklagten und der Belastungszeugen ging, fand der seit 22. Januar geführte Prozess weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Wende nahm die Verhandlung am 26. Februar, als der Pater nach den glaubwürdigen Aussagen des dritten ehemaligen Ettaler Schülers die ihm zur Last gelegten Taten gestand. Zuvor hatte er die Anschuldigungen jahrelang massiv abgestritten. (Angemerkt)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.