Fall Peggy: 37-Jähriger nach Fehlurteil noch immer in psychiatrischer Klinik
Ein Freispruch ohne Freiheit

Ulvi K. als Angeklagter vor dem Landgericht Bayreuth. Derzeit ist er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Bild: dpa
Archiv
Bayern
30.12.2014
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Das Zimmer muss er sich mit drei anderen Männern teilen - ein Tisch, ein Regal, ein Schrank, vier Betten. Seit mehr als 13 Jahren ist das die kleine Welt, in der Ulvi K. einen Großteil seines Lebens verbringt. Der geistig Behinderte wurde zwar im Mai vom Vorwurf des Mordes an der kleinen Peggy freigesprochen. Doch Freiheit bedeutet das für den 37-Jährigen nicht.

Nur einige Stunden darf er einmal die Woche mit seiner Betreuerin Gudrun Rödel raus aus der psychiatrischen Klinik. "Er wird weiter wie ein Schwerverbrecher behandelt", beklagt Rödel.

Die kleine Peggy verschwand am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg spurlos. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Im Herbst 2002 legte Ulvi K., dem Gutachter den Verstand eines kleinen Kindes bescheinigten, überraschend ein Geständnis ab. Als Peggys Mörder wurde er 2004 in einem Indizienprozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Zum Teil rehabilitiert

Das Landgericht Hof sah es damals als erwiesen an, dass er Peggy tötete, um einen einige Tage vorher an ihr begangenen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Weil sein Geständnis der Tathergangs-Hypothese der Ermittler verblüffend ähnlich war, wurde das Verfahren in diesem Jahr noch einmal neu aufgerollt. Das Urteil vom 14. Mai 2014 glich einer Ohrfeige für die Ermittler aus Hof: Das Geständnis von Ulvi K. sei mit keinem einzigen Sachbeweis zu belegen, sagte der Vorsitzende Richter. "Der Angeklagte ist freizusprechen."

In dem Wiederaufnahmeverfahren ging es aber ausschließlich um die Frage, ob Ulvi K. Peggy tötete. "Von diesem Vorwurf ist er vollständig rehabilitiert", erläutert sein neuer Verteidiger Thomas Saschenbrecker. "Aber er wurde 2004 eben auch als Vergewaltiger der kleinen Peggy verurteilt und weil er sich vor Kindern entblößt haben soll - die damit verbundene Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik gilt deshalb weiterhin."

Deswegen sitzt der Sohn einer Gastwirtsfamilie noch immer im Bayreuther Bezirkskrankenhaus und erhält auch keine Entschädigung wegen des Fehlurteils im Mordprozess. "Dieser Freispruch bewahrte ihn letztendlich nur vor einer Gefängnisstrafe", sagt Saschenbrecker.

Nächste Prüfung im Januar

Damit Ulvi K. freikommt, müsste ein Gutachter feststellen, dass von dem geistig Behinderten keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Jährlich wird das überprüft. Das nächste Mal am 8. Januar 2015.
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