Forscher röntgen T-Rex-Schädel

Der Paläontologe Anne Schulp hält im Fraunhofer-Institut Fürth den Ausdruck einer Computertomographie eines T-Rex-Schädels in den Händen. Der Schädel selbst befindet sich in der Kiste im Hintergrund. Bild: dpa
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Bayern
20.06.2015
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Ein Dino im Röntgengerät: Forscher haben mit Hilfe eines riesigen Computertomographen den Schädel eines T-Rex durchleuchtet. Sie wollen so Teile im Gehirn finden, die sie bisher nicht nachweisen konnten.

Der Saurier-Forscher Anne Schulp jubelt: "Es ist Magie!" Der niederländische Paläontologe und sein Team haben am Fraunhofer-Institut in Fürth den Schädel eines Tyrannosaurus Rex in ein riesiges Röntgengerät gesteckt und durchleuchtet. "Früher hätte man den Schädel zerstören müssen, um ihn zu untersuchen", sagt der 41-Jährige am Freitag. Mit Hilfe der modernen Technik ist das nun nicht mehr nötig. Denn mit 1500 Einzelbildern vom Schädel des Dinosauriers wird am Computer ein dreidimensionales Bild zusammengesetzt, das die Forscher in jedem beliebigen Winkel und aus jeder Richtung begutachten können.

Halbe Tonne Gewicht

"Wenn es eine Technologie gibt, die den Paläontologen in den letzten Jahren wirklich geholfen hat, dann ist es der CT-Scan", sagt Schulp. Kleine Teile des Dino-Skeletts hatten die Wissenschaftler bereits in normalen Geräten geröntgt, wie auch viele Ärzte sie haben. Doch der Schädel war dafür zu groß. So kam das Fraunhofer-Institut ins Spiel. Der dortige XXL-Computertomograph ist nach Angaben des Instituts der größte seiner Art weltweit. Mit seiner enorm starken Strahlung kann er Objekte mit bis zu 3,5 Metern Durchmesser und 5 Metern Höhe röntgen. 45 Stunden hat es gedauert, bis der etwa 1,5 Meter lange und 500 Kilogramm schwere Schädel durchleuchtet war. Noch nie sei ein T-Rex-Kopf in so hoher Auflösung gescannt worden, sagt Schulp vom niederländischen Nationalmuseum "Naturalis Biodiversity Center" in Leiden. So seien viel mehr Details zu erkennen. "Die Bilder helfen uns, die Anatomie des Schädels besser zu verstehen." Mit Hilfe der CT-Aufnahmen wollen die Forscher etwa kleinste Knochenteile des Tieres an der Nase nachweisen. Außerdem interessiert es sie, welche Regionen des Gehirns besonders ausgeprägt waren - wie gut konnte der Dino beispielsweise sehen? Auch bei der Restauration des Schädels helfen die Aufnahmen. Verborgene Bruchstellen können erkannt und bei der Aufbereitung berücksichtigt werden. Eine Seite des Kiefers ist nicht mehr vollständig erhalten und kann nun mit Hilfe von 3D-Druck nachgebildet werden.

Nur ein Bein fehlt

Das etwa 66 Millionen Jahre alte Skelett eines weiblichen T-Rex wurde 2013 im US-amerikanischen Bundesstaat Montana gefunden. Die riesigen Saurier lebten am Ende der Kreidezeit an der Westküste der USA. Der Dino war bei seinem Tod vermutlich um die 30 Jahre alt. Der Rancher, auf dessen Land die Knochen gefunden wurden, hat ein stattliches Sümmchen von den Forschern bekommen - wie viel genau, wird nicht verraten. "Es hat sich aber für ihn gelohnt", sagt Schulp. Das Skelett zähle zu den fünf besterhaltenen eines Tyrannosaurus Rex weltweit. Es fehlen lediglich ein Bein, die Krallen, Zähne und das Ende des Schwanzes.

Vom Herbst 2016 an soll der riesige Fleischfresser im niederländischen Leiden ausgestellt werden. Der zerbrechliche, in Schaumstoff eingelassene Schädel wurde übrigens für die Aufnahmen nicht aus der Transportbox genommen.
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