Gericht schließt Zuschauer aus

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Bayern
20.10.2015
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Handfeste Überraschung beim Prozessauftakt um den Mord im Jobcenter von Rothenburg: Das Landgericht Ansbach verhandelt weite Strecken unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Über seinen Anwalt lässt der Angeklagte wissen, die Tat tue ihm unendlich leid.

Der Andrang ist riesig: Im Sitzungssaal des Landgerichts Ansbach gibt es am Montag kaum ein Durchkommen für Zuschauer und Journalisten. Verhandelt wird die tödliche Messerattacke im vergangenen Jahr im malerischen Städtchen Rothenburg ob der Tauber in Mittelfranken. Ein 29-Jähriger soll dort mit einem Messer auf einen Psychologen eingestochen haben, der kurz darauf stirbt. Die Anklage lautet auf Mord.

Als er den Raum betritt, hat der Angeklagte die Kapuze seines rot-schwarzen Anoraks über den Kopf gezogen. Zusätzlich hält er sich einen Aktenordner vor das Gesicht. Erst als die Kameras abgeschaltet sind, nimmt der dunkelblonde Mann seinen Gesichtsschutz ab. Sein Blick ist die meiste Zeit nach vorn gerichtet. Nach Verlesung der Anklage folgt der Paukenschlag: Für bestimmte Zeugenaussagen schließt das Gericht die Öffentlichkeit aus. Gerichtssprecher Jürgen Krach erklärt, dass das Publikum ausgeschlossen werden kann, wenn es um eine Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik geht. Derzeit ist er bereits in einer solchen Einrichtung untergebracht. Auch Mitarbeiter des Jobcenters sowie der Gutachter werden nicht öffentlich befragt.

Der Verteidiger des 29-Jährigen wollte sogar erreichen, dass der gesamte Fall nicht öffentlich verhandelt wird. Staatsanwalt Roman Stoschek widersprach noch, da seiner Meinung nach das öffentliche Interesse das persönliche Interesse des Angeklagten übersteige. Doch die Richter sehen das anders und so leert sich der Saal nach nur wenigen Minuten.

Zwei Notrufe bei Polizei

Der Verteidiger verliest eine Erklärung des Angeklagten. Dann kommt der erste Zeuge - ein Kriminalbeamter. Der Saal füllt sich wieder. Der Polizist erzählt, dass noch vor dem eigentlichen Notruf eine Mitarbeiterin der Behörde am Mittag bei der Polizei angerufen habe. Sie sagte, sie sei von einem Mann bedroht worden. "Sie war sehr aufgeregt am Telefon", sagt der Beamte. Er schickte einen Streifenwagen los. Nur fünf Minuten später ging der eigentliche Notruf ein. "Person mit Messer verletzt", hieß es damals.

Am Tag der Tat im Dezember hatte der Angeklagte einen Termin im Jobcenter. Vormittags rauchte er noch Haschisch. Dann fuhr er mit dem Bus nach Rothenburg. Im Jobcenter bescheinigte der Psychologe (61) ihm eine schizophrene Psychose und eine nur unterdurchschnittliche Intelligenz. Er könne daher keiner regulären Arbeit nachgehen und brauche dringend eine Therapie.

"Der Angeklagte hatte Angst, in einer Klinik eingesperrt zu werden", sagte Gerichtssprecher Krach. Deswegen sei es zum Streit gekommen. Voller Wut verließ der 29-Jährige demnach das Jobcenter, kaufte sich in einem nahe gelegenen Supermarkt ein Küchenmesser und kam nach wenigen Minuten zurück. Dann stach er auf den 61-Jährigen ein.

Gutachter wehrte sich

Der Gutachter soll noch versucht haben, sich mit Fußtritten zu wehren. Wie oft genau er zugestochen habe, daran könne sich der 29-Jährige nicht erinnern, berichtet der Gerichtssprecher. Aber: "Die Tat tue ihm unendlich leid", sagte Krach.
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