Griff nach Gurlitts Nachlass

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Bayern
22.11.2014
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Das Berner Kunstmuseum hat lange geprüft, ob es das millionenschwere Erbe des Münchener Kunstsammlers Cornelius Gurlitt annehmen soll. Am Freitag stimmten die Schweizer zu. Jetzt aber gibt es plötzlich weitere Interessenten.

Die Cousine des verstorbenen Münchener Kunstsammlers erhebt überraschend Anspruch auf das Erbe. Nach Angaben ihres Sprechers beantragte Uta Werner am Freitag einen Erbschein beim zuständigen Nachlassgericht. Dabei hatte sich das eigentlich in Gurlitts Testament bedachte Kunstmuseum Bern inzwischen dazu durchgerungen, das schwierige Erbe anzutreten. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Berlin am Freitag aus zuverlässigen Kreisen, die in die Verhandlungen eingebunden waren.

Zweifel am Gutachten

Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht, allerdings wurde die Absicht zur Übernahme auch von keiner Seite bestritten. Das Kunstmuseum Bern will seinen endgültigen Beschluss am Montag bei einem Pressetermin gemeinsam mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und dem bayerischen Justizminister Winfried Bausback (CSU) bekanntgeben.

Welche Auswirkungen der Erbschein-Antrag der Cousine auf das weitere Vorgehen hat und ob dadurch mögliche Entscheidungen auf Eis liegen, blieb zunächst unklar. Gurlitts Cousine ließ zu ihrem überraschenden Antrag mitteilen, sie werde von ihren Kindern sowie einzelnen Söhnen und Enkeln ihres Bruders Dietrich unterstützt. Die betagten Geschwister Uta und Dietrich wären die gesetzlichen Erben gewesen. Dietrich Gurlitt hat bisher keine Ansprüche erhoben.

Eigentlich habe sich die Familie nur für den Fall auf das Erbe vorbereiten wollen, dass das Kunstmuseum Bern es ausschlägt, hieß es in der Mitteilung von Werners Vertreter. Wegen eines Gutachtens, das den Geisteszustand und damit die Testierfähigkeit von Cornelius Gurlitt anzweifelt, habe man sich aber jetzt anders entschieden.

Entscheidung am Sonntag

Gurlitt hatte in seinem Testament dagegen das Kunstmuseum Bern als Alleinerben für seine millionenschwere Kunstsammlung eingesetzt. Eine Museumssprecherin erklärte, die "abschließende Entscheidung" über Annahme oder Ablehnung falle erst bis zum Sonntagabend auf einer Sitzung des Stiftungsrats.

Die Sammlung Gurlitt, die in seiner Schwabinger Wohnung und später auch in seinem Haus in Salzburg gefunden wurde, umfasst Hunderte Werke, bei denen nicht auszuschließen ist, dass es sich um Nazi-Raubkunst handelt. Gurlitts Vater Hildebrand war einer der Kunsthändler Adolf Hitlers.
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