Großeinsatz der Polizei wegen Familie von Asylbewerbern
"Verdächtige Iraner" in Münchener Hotel

Eine Angestellte des Hotels hatte die Polizei informiert, weil ihr eine Gruppe von Gästen, die sich eingemietet hatte, verdächtig vorkam. Bild: dpa
Archiv
Bayern
21.11.2015
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Ein falscher Terrorverdacht hat die Polizei in München vorübergehend in Atem gehalten. Nach den Anschlägen von Paris ist die Nervosität groß. In einem Münchener Hotel wird die Polizei gerufen, weil eine Gruppe Iraner verdächtig wirkt. Es sind Flüchtlinge auf dem Weg zu ihrer Familie.

Eine Hotelangestellte hatte am Donnerstagabend die Beamten informiert, weil ihr eine Gruppe von Gästen verdächtig vorkam. Im Appartement hielten sich mehrere Menschen auf, zudem lägen Uniformteile und Butangasflaschen herum. Jedoch: "Es ist kein Terroranschlag geplant gewesen", betonte der Sprecher der Polizei München, Marcus da Gloria Martins, am Freitag. "Es gab keine Terrorgefahr in München."

Stattdessen habe es sich um harmlose Asylbewerber gehandelt. "Die Familie hat sich zwecks Familienzusammenführung dort getroffen", schilderte der Sprecher. Eine 44-Jährige und ihr 52 Jahre alter Ehemann, die erst am Vortag nach Deutschland eingereist seien, hätten sich dort mit zwei jüngeren Verwandten getroffen. Gemeinsam wollten sie nach Hannover zu anderen Angehörigen weiterreisen. Außerdem hielt sich noch ein in Deutschland lebender Mann bei der Gruppe auf, der das Paar über die Grenze gebracht hatte - das Trio war dabei am Mittwoch von Schleierfahndern angehalten worden.

Bei den vermeintlichen Uniformteilen habe es sich um eine schwarze Weste sowie ein Baseball-Cap mit der Aufschrift "Police" gehandelt, das die Frau ihrem kleinen Neffen in Hannover habe mitbringen wollen, sagte der Polizeisprecher. Zu den Gaskartuschen sagte er: "Das sind ganz schnöde Campinggaskocher, die haben sie auf der Flucht zum Zubereiten von Nahrung benutzt."

Polizei kontert Panikmache

"Focus Online" hatte zuvor berichtet, die Polizei habe eine "verdächtige arabische Gruppe entdeckt, von der offenbar eine Gefahr ausging", und hatte einen Zusammenhang mit dem abgesagten Fußball-Länderspiel in Hannover hergestellt. Die Polizei dementierte jedoch prompt. Auch habe es weder eine Flucht von Teilen der Gruppe noch eine Großfahndung gegeben; im Gegenteil hätten alle Betroffenen bereitwillig mit der Polizei kooperiert, die sämtliche Angaben verifizieren konnte. "Für uns ist der Fall nun abgeschlossen", sagte da Gloria Martins. Trotz des Einsatzes von rund 100 Einsatzkräfte sei der Anruf der Hotelangestellten dennoch richtig gewesen.
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