"Habe Schüler nur gestreichelt"

Der 44-jährige Pater des Klosters Ettal muss sich wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Schülern vor dem Landgericht verantworten. Bild: dpa
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Bayern
23.01.2015
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Er war eine Vertrauensperson - und nützte dies laut Anklage bei Kindern perfide aus. Jahrelang soll sich ein Pater von Kloster Ettal an Internatsschülern sexuell vergangen haben. Jetzt steht der 44-Jährige vor Gericht.

Die Mönchskutte hat er für den Prozess abgelegt, im dunkelgrauen Anzug mit gestreifter Krawatte erscheint der Ordensmann vor Gericht. Vom Vorsitzenden Richter zu Beginn der Verhandlung zu seinem Beruf befragt, kommt der 44-Jährige um die Antwort aber nicht herum: Er ist Priester. So steht es auch in der Anklageschrift, die dem Erzieher des oberbayerischen Klosters sexuellen Missbrauch von zwei Schülern und versuchten Missbrauch zweier weiterer Buben vorwirft.

Seit Donnerstag muss sich der Pater vor der Jugendkammer des Landgerichts München verantworten. Und er sagt gleich am ersten Prozesstag: "Alle mir zur Last gelegten Vorwürfe sind unzutreffend." Er habe die Internatsschüler lediglich an Bauch und Rücken gestreichelt - nichts anderes habe seine Mutter mit ihm gemacht, wenn er Trost gesucht habe. Seine Rolle als Erzieher in dem Internat bringt er auf den einfachen Nenner: "Ich war in dieser Zeit Vater- und Mutterersatz." Die Distanzlosigkeit tue ihm zwar leid, sagt der spätberufene Priester, der erst Bankkaufmann lernte, ehe er das Abitur nachholte und ins Kloster nach Ettal ging. Aber die Buben hätten sich halt gerne an seiner Schulter ausgeweint.

Als Präfekt, wie die Erzieher im Internat des altehrwürdigen Benediktinerklosters in den Ammergauer Alpen heißen, war der Geistliche eine enge Vertrauensperson für die Kinder. "Die Präfekten sind jedem Schüler Ansprechpartner und Begleiter auf seinem Weg durch das Schuljahr", heißt es auf der Internetseite des Klosters. Diese Stellung nutzte der 1995 eingetretene Pater aus. Im Präfektenzimmer soll er zwischen 2001 und 2005 regelmäßig Schüler abends befummelt haben. Auch auf einer Berghütte gab es Übergriffe auf einen 13-Jährigen. Das verängstigte Opfer stellte sich schlafend.

Pater diskreditiert Opfer

In seiner eloquent vorgetragenen Erklärung interpretiert der Angeklagte die erst Jahre später erhobenen Vorwürfe als Rache dafür, dass eines der mutmaßlichen Opfer wegen Diebstahls vom Internat flog. Einer der Schüler sei in psychiatrischer Behandlung gewesen, ein anderer sei ein ziemlicher Quertreiber gewesen. Der Angeklagte will deren Glaubwürdigkeit erschüttern. "Seine Aussagen sind unwahr", sagt er über einen seiner einstigen Zöglinge.

Die Aufdeckung einer ganzen Serie von Missbrauchsskandalen und Misshandlungen in Internatsschulen löste Anfang 2000 eine anhaltende Diskussion über die Erziehungsmethoden in Heimen aus. Für Ettal arbeitete ein Sonderermittler die Demütigungen auf. Auf 180 Seiten beschrieb er Misshandlungen und sexuellen Missbrauch von 15 Mönchen an mehr als 100 Klosterschülern.

Die meisten Fälle waren aber bereits verjährt. Ein längst gestorbener Pater bekannte in einer Art Vermächtnis, Schüler hätten regelmäßig Sex mit ihm gehabt. Zwei Ordensleute kamen mit Bewährungsstrafen davon. Das Kloster entschädigte 70 Opfer mit insgesamt 700 000 Euro.
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