Hände nicht ans Handy

Die eine Hand am Smartphone, die andere am Lenkrad - Ablenkungen durch Handys sind ein nicht zu unterschätzendes Unfallrisiko. Bild: dpa
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Bayern
04.09.2015
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Eine Whatsapp-Nachricht oder eine E-Mail können fatale Folgen haben - wenn man sie am Steuer liest. Davor warnen Unfallforscher. Ob neue Technik helfen kann, ist umstritten.

Eigentlich ist es verboten. Trotzdem nutzen viele Autofahrer ihr Smartphone am Steuer. Doch ob jemand eine Nachricht liest oder etwas bei Facebook postet, lässt sich nur schwer kontrollieren. "Gegen die Nutzung von Smartphones am Steuer ist die Polizei machtlos", berichtet Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer.

118 Unfälle ausgewertet

Die Polizei dürfe zudem keine Handys beschlagnahmen, nur weil sie etwa auf dem Schoß des Autofahrers liegen. Dabei sei Ablenkung eine der häufigsten Unfallursachen. Dies habe eine Auswertung der Unfalldatenbank der Versicherer ergeben. Die Unfallforscher hatten 118 Unfälle untersucht, bei denen Autos von der Landstraße abgekommen waren. "Ablenkung war nach gesundheitlichen Problemen der Fahrers die zweithäufigste Ursache", berichtet Brockmann am Donnerstag .

Zur Smartphone-Nutzung am Steuer haben der Autoclub Mobil in Deutschland und der TÜV Süd jetzt eine Kampagne gestartet. Das Motto: "Be Smart! Hände ans Steuer - Augen auf die Straße." Sie soll darauf aufmerksam machen, wie gefährlich es sein kann, wenn man auf sein Handy statt auf die Straße blickt. Neben Aufklärung setzt die Kampagne auch auf Technik: Whatsapp-Nachrichten und SMS kann man sich vorlesen lassen, Apps deaktivieren Funktionen wie Twitter während der Fahrt. Mit Freisprechanlagen muss man bei Anrufen nicht zum Handy greifen.

Auch der Auto Club Europa (ACE) sieht dies als Ansatzpunkt: "Autos können mittlerweile erkennen, ob man sich gerade in einer brenzligen Situation, wie an einer Kreuzung, befindet", berichtet ACE-Sprecher Constantin Hack. Dann könnten Nachrichten einfach verzögert zugestellt werden. "Ich bin überzeugt, dass viele Autofahrer bereit sind, ihre Nachrichten auch später zu lesen. Wenn das Telefon klingelt, fällt es vielen schwer, nicht dranzugehen. Aber dafür gibt es ja Freisprechanlagen."

Unfallforscher sind jedoch nicht so optimistisch: Es mache keinen großen Unterschied, ob man mit einer Freisprechanlage telefoniere oder sich Whatsapp-Texte vorlesen lasse, findet Brockmann. "Entscheidend ist dagegen die mentale Ablenkung." Das hat auch eine Studie des Allianz Zentrums für Technik herausgefunden: Ablenkung sei eine wichtige - und vor allem vermeidbare - Unfallursache: "Jeder zehnte Verkehrsunfall ist auf eine Ablenkung des Fahrers zurückzuführen."

Ablenkung nicht erfasst

Seine repräsentative Quoten-Stichprobe von 2011, bei der 600 Personen befragt wurden, habe zudem ergeben, dass 40 Prozent aller Fahrer ihr Handy bei der Autofahrt nutzen. Ihn ärgert, dass in Deutschland - anders als in Österreich - Ablenkung als Unfallursache nicht erfasst wird.
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