Hilfe kommt zu spät

Eine syrische Flüchtlingsfamilie in einem Zug auf dem Weg nach Passau. In einem solchen Zug ist am Mittwoch ein schwangere Frau eingereist, deren Baby zu diesem Zeitpunkt wohl bereits tot war. Bild: dpa
Archiv
Bayern
15.10.2015
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Eine schwangere Syrerin geht in Österreich zum Arzt. Es sind keine Herztöne des Kindes zu hören. Trotzdem landet die Frau mit anderen Flüchtlingen im Zug nach Deutschland. In Passau reagiert die Bundespolizei sofort und bringt die 47-Jährige ins Krankenhaus.

Die Polizeibehörde teilte am Mittwoch in München mit, der Frau gehe es den Umständen entsprechend gut. Sie sei mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen worden. Das ungeborene Kind sei aber tot gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Österreich wehrt sich

Das österreichische Innenministerium setzte sich zur Wehr: "Man kann ausschließen, dass österreichische Behörden im Wissen um so eine Diagnose eine schwangere Frau weiterschicken", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Ohnehin werde grundsätzlich niemand nach Deutschland "weitergeschickt".

Ein Land könne nur ein medizinisches Angebot machen. Fragen der Diagnose und Behandlung seien zunächst etwas, was zwischen Arzt und Patient stattfinde. In Österreich stünden humanitäre Aspekte und damit die Bedürfnisse der Flüchtlinge ganz oben.

Wann der Arzt das Attest über die fehlenden Herztöne ausgestellt hatte und in welchem Schwangerschaftsmonat die 47-Jährige war, konnte der Polizeisprecher nicht sagen. Auch zu den näheren Umständen machte er keine Angaben. Die Frau hatte mit sechs Landsleuten im Zug von Österreich nach Deutschland gesessen. In Passau hatten Polizisten die Gruppe am Montag kontrolliert. Dabei hatte ihnen die Frau die Bescheinigung des österreichischen Mediziners gezeigt.

Kritik vom BRK

Vor gut einer Woche hatte das Bayerische Rote Kreuz (BRK) darauf hingewiesen, dass viele Flüchtlinge mit Krankheiten und Verletzungen in Bayern ankämen. Sie seien damit oft schon durch mehrere EU-Länder gereist. "Das kann nicht sein, dass wir erst in Deutschland mit der Versorgung anfangen, das hätte schon viel früher passieren müssen", hatte der BRK-Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter aus Berchtesgaden kritisiert.
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