Immer mehr Supermärkte in der Oberpfalz schließen
Ausverkauf auf dem Lande

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Bayern
13.10.2014
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Zuerst machte Tante Emma ihren Laden zu, weil ihr der Supermarkt am Dorfrand die Existenzgrundlage nahm. Nun aber schließt auch dieser. Vor allem die Oberpfalz wird abgespeist.

Die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in der Oberpfalz ist seit 2005 um 16,5 Prozent gesunken. Von einstmals 649 Läden sind nur noch 542 übrig. Besonders groß fiel der Rückgang in den Kreisen Neustadt/WN (minus 33 Prozent) und Tirschenreuth (minus 28 Prozent) aus.

Das geht aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Hofer SPD-Abgeordneten Klaus Adelt hervor. In den Kreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf betrug der Rückgang jeweils rund 15 Prozent, während die Stadt Weiden nur einen Laden verlor. In Oberbayern gab es hingegen sogar einen leichten Zuwachs an Supermärkten.

Ausdünnung geht weiter

Adelt forderte die Staatsregierung auf, dem Sterben der Geschäfte in den ländlichen Regionen entschlossen entgegenzutreten. Wegen des prognostizierten weiteren Bevölkerungsrückgangs im Norden und Osten Bayerns werde sonst der Trend zur Ausdünnung des Nahversorgungsangebots unvermindert anhalten, warnte der SPD-Politiker.

Nötig sei die Bündelung bestehender Förderinstrumente in einer Hand, um zum Beispiel bürger- oder genossenschaftlich betriebene "Dorfläden" entstehen zu lassen. Bislang seien die Zuständigkeiten auf vier Ministerien verteilt, diese sollten nun im Heimatministerium zusammengefasst werden, schlug Adelt vor. Als Vorbild nannte er das Projekt "MarktTreff" in Schleswig-Holstein. Dort werden - wie bei großen Ladenketten - Standort- und Logistikfragen zentral behandelt, während der individuelle "MarktTreff", eine Kombination aus Laden und kleiner Tagesgastronomie, auf lokaler Ebene organisiert und betrieben wird. Die einzelnen Märkte verfügten so über eine professionelle Begleitung und könnten sich schon in der Aufbauphase auf den Betrieb konzentrieren.

Grenze: 4000 Einwohner

Ungeachtet dessen forderte Adelt eine Überarbeitung der Förderkriterien zur Wahrung der Nahversorgung. Diese ließen mit ihren detaillierten Vorgaben viele Kommunen durch das Raster fallen. Vor allem in strukturschwachen Regionen könnten die Gemeinden oft den nötigen Eigenanteil zur Förderung eines Projekts nicht aufbringen. Gerade dort seien aber Maßnahmen besonders wichtig, weil die Nahversorgung hier "mittelfristig regelrecht wegzubrechen droht", so Adelt. Für Ladenketten wie Rewe oder Edeka seien vielfach nur noch Kommunen mit mehr als 4000 Einwohnern wirtschaftlich interessant. Verschärft würde die Lage dadurch, dass auch ortsansässige Bäcker und Metzger weniger würden.

"Neben Schulen und Vereinen gehören Lebensmittelläden zu den drei zentralen Standortfaktoren, die über Wohl und Wehe von Gemeinden entscheiden", betonte Adelt. Ihr Fehlen führe zu einer weiteren Entsiedelung und Abwanderung, weil nicht nur Einkaufsmöglichkeiten fehlten, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. "Wir haben auf dem Land zwar gute Luft, aber von der guten Luft allein kann man nicht leben", sagte Adelt. Für die Förderung lokaler Einkaufskonzepte fehle der Staatsregierung aber ein roter Faden.
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