Institut für Zeitgeschichte will "Mein Kampf" in einer kommentierten Ausgabe veröffentlichen
"Dürftiger, schmuddeliger Text"

Eine historische Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf" im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Bild: dpa
Archiv
Bayern
20.06.2015
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Der Historiker Christian Hartmann hält die geplante kritische Ausgabe von Adolf Hitlers Hetzbuch "Mein Kampf" für eine "nationale Aufgabe". Mit dem Auslaufen des Urheberschutzes zum Jahresende - 70 Jahre nach Hitlers Todesjahr - könne auch in Deutschland jeder das Buch einfach nachdrucken.

Deshalb sei die wissenschaftlich kommentierte Ausgabe des Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) so wichtig, weil sie "Hitlers Polemik gründlich auseinandernimmt. Das ist ja eine nationale Aufgabe, wenn man so will", sagte Hartmann dem "Süddeutsche Zeitung Magazin" (Freitag). In den 1920er Jahren habe Hitlers Buch den Zeitgeist getroffen. Aber "keiner, der es heute liest, wird dadurch zum Nazi", sagte der am IfZ arbeitende Historiker. "Pünktlich nach Ablauf des Urheberrechts wird unser Buch verkauft: Hitlers Originaltext mit unseren Anmerkungen. Wir haben mehr als 3500 Fußnoten geschrieben und Hitler in Hunderten Details widersprochen." Das Buch sei eine der wichtigsten Quellen, um Hitlers Weltsicht zu verstehen. "Ich habe mich zutiefst geschämt, dass wir Deutschen auf so etwas Dürftiges hereingefallen sind", sagte Hartmann.

Die kommentierte Ausgabe will vor allem Hitlers Argumente widerlegen. "Es ist eine gewaltige Freude, ja Rache", sagte Hartmann. "Ich habe manchmal das Gefühl: So, jetzt habe ich ihn im Fadenkreuz." Hitler argumentiere "auf Stammtischniveau". ",Mein Kampf' ist ein schmuddeliger Text. Ein Entwicklungsroman, bei dem die Liebe fehlt." Das IfZ will die kommentierte Ausgabe voraussichtlich Anfang 2016 veröffentlichen.
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