Kanal kaputt

Baufällige Kanaltore und marode Ufer: Der Ludwig-Donau-Main-Kanal, auch Alter Kanal genannt (hier bei Schwarzenbach). Bild: dpa
Archiv
Bayern
01.09.2015
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Für die einen ist er ein Stück bayerische Wirtschaftsgeschichte, für andere eine rund 130 Kilometer lange grüne Oase, ideal zum Wandern und Radfahren: der durch Franken und die Oberpfalz führende Alte Kanal. Doch der Lack ist ab.

Nördlich von Wendelstein (Kreis Roth) gibt es ihn nur noch als grell-grünen Pflanzenteppich - dort überziehen kilometerlang Wasserlinsen den Alten Kanal und bedrohen das ökologische Gleichgewicht. Andernorts verrotten Schleusentore, werden eingestürzte Ufermauern nur provisorisch repariert. Der Ludwig-Donau-Main-Kanal, mit dem sich König Ludwig I. den Traum von einer durchgehenden Schiffsverbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer erfüllte, ist vielerorts sanierungsbedürftig.

"Romantische Patina"

Das Wasserwirtschaftsamt Nürnberg formuliert es in einer Informationsbroschüre so: Das Denkmal aus der Frühzeit deutscher Industrialisierung sei "mit romantischer Patina überzogen". Manfred Kimmig hält das für eine grobe Beschönigung. Der 71 Jahre alte frühere Betreuer des Kanalmuseums in Burgthann (Kreis Nürnberger Land) und einer der besten Kenner des König-Ludwig-Kanals hält die 1846 in Betrieb genommene Wasserstraße schlicht und einfach für vernachlässigt. Bei den Behörden fehle das Bewusstsein für den Wert des denkmalgeschützten Kanals.

Das Hauptproblem sei dabei das "Behörden-Wirrwarr", ist der frühere Museums-Chef überzeugt: "Für den Alten Kanal sind vier Wasserwirtschaftsämter in drei Regierungsbezirken zuständig." Vor allem beim Wasserwirtschaftsamt Nürnberg hat er den Eindruck, "dass man dort zwar die Verkehrssicherungspflicht ernst nimmt, indem man Büsche zurückschneidet und kleinere Reparaturen durchführt. Das Bauwerk als Ganzes wird aber vernachlässigt."

Budget setzt Grenzen

Als Beispiel verweist er auf verfallene Uferwände, die - statt ordentlich repariert - provisorisch mit Schotter aufgefüllt werden. Auch Sicherheitstore wie an einer alten Kanalschleuse bei Berg (Kreis Neumarkt) verrotteten seit Jahren, beklagt Kimmig. Der stellvertretende Behördenleiter Klaus Winkelmair hält die Vorwürfe für überzogen: "Natürlich steht ein so schönes Baudenkmal wie der König-Ludwig-Kanal bei uns im Brennpunkt", beteuert er. Aber es gebe finanzielle Grenzen. Die getätigten Instandsetzungen seien meist wenig spektakulär, aber wasserbautechnisch oft von großer Bedeutung. Allein die Sanierung des Dörlbacher Einschnitts nach einem Erdrutsch kostete rund 3,5 Millionen Euro.

Kanalfreunde träumen seit Jahren davon, einen Teil des Alten Kanals zu reaktivieren, auch um mit dem dort ankernden Museumsschiff "Elfriede" längere Kanalfahrten anbieten zu können. Kimmig hat schon oft im Kanal gebadet: "Das Wasser ist absolut sauber - und viel besser als die Chlorbrühe der Freibäder."
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