Kein Ende der Grippewelle in Bayern in Sicht
Grippewelle rollt weiter

Der Vorrat an Blutkonserven (Erythrozyten-Konzentrat) schrumpft durch die Grippewelle. Bild: dpa
Archiv
Bayern
09.03.2015
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Knapp sechs Wochen nach ihrem Ausbruch ist noch kein Ende der Grippewelle in Bayern in Sicht. Die Zahl der Erkrankungen habe vergangene Woche noch einmal kräftig zugelegt.

"Der Anstieg scheint aber inzwischen etwas langsamer zu verlaufen", sagte eine Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Nach ihren Angaben wurden den bayerischen Gesundheitsämtern 2370 neue Infektionen mit Influenza-Viren gemeldet. Das seien zwar etwas weniger als in der Vorwoche, als die Landesbehörde samt der nachgemeldeten Fälle mehr als 2500 Neuerkrankungen registriert hatte. Aber es seien deutlich mehr als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres.

Hohe Dunkelziffer

Damit schnellte die Zahl der seit Jahresanfang Infizierten auf 10 227 Fälle hoch. Die Gesamtzahl der bayerische Grippepatienten übersteigt somit die vergleichbare Vorjahreszahl um das achteinhalbfache. 2014 sei allerdings ein ausgesprochen schwaches Grippejahr gewesen, gab die LGL-Sprecherin zu bedenken. Zudem sei die Dunkelziffer groß: Nicht alle Grippe-Patienten gingen zum Arzt, nicht alle Ärzte machten einen Grippetest.

Gemessen an den neuesten Influenza-Zahlen bestand in der vergangenen Woche das höchste Infektionsrisiko in Oberbayern. Von dort meldeten Ärzte und Krankenhäuser bis zum Freitag 503 neue Infektionen, gefolgt von 433 in Niederbayern, 406 in der Oberpfalz und 400 in Mittelfranken. Dagegen gab es in Unterfranken nur 106 neue Fälle, 170 waren es in Schwaben und 352 in Oberfranken.

Die Grippewelle in Bayern lässt derweil den Vorrat an Blutkonserven stark schrumpfen. "Der Puffer beträgt sonst fünf bis sechs Tage, aktuell nur drei Tage. Das geht schon an die Substanz", sagte Christian Kohl vom Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) der Deutschen Presse-Agentur. "Ein Engpass, dass Operationen verschoben werden müssten, besteht aber definitiv nicht."

Fasching und Ferien

Neben der Grippe hätten sich vor allem die Ferienzeit und die Fastnachtssaison negativ ausgewirkt, berichtete Kohl. "Wir haben beim Spenden Rückgänge von bis zu 20 Prozent an einzelnen Orten. Das trifft uns wirklich heftig." Eine Entspannung sei derzeit noch nicht in Sicht: Wer an Grippe erkrankt ist, ist nach seiner Genesung noch vier Wochen lang für eine Blutspende gesperrt.

Das BRK ist mit einem Marktanteil von rund 70 Prozent der größte Blutspendedienst in Bayern und liefert rund 2000 Blutkonserven pro Tag an Kliniken und Ärzte. Die Blutspenden werden bei Operationen sowie für Krebspatienten, für Unfallopfer und für Menschen mit Blutarmut benötigt. "Blut zu Transfusionszwecken kann nicht künstlich hergestellt werden. Es gibt keinerlei Alternative", betonte Kohl. "Es ist deshalb kein Spaß, wenn wir sagen: Bitte kommt zum Spenden!"
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