Kein Tag zum Tanzen

Tanzen in der Disco ist in Bayern an Karfreitag nicht möglich. Am Donnerstag um Mitternacht ist Schluss mit lustig, und erst am Samstag darf die Musik wieder dröhnen. Archivbild: dpa
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Bayern
02.04.2015
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Alle Jahre wieder müssen Feierwütige an Karfreitag eine Pause einlegen. Der Tag, an dem Christen des Todes Jesu gedenken, bleibt für fast alle ein "stiller Tag". Doch Tanzverbote an Feiertagen stehen auch in der Kritik. Es gibt die Forderung nach Lockerungen.

(dpa/KNA) Der Deutsche Städte-und Gemeindebund befürwortet mit Blick auf das Tanzverbot am Karfreitag eine Aufweichung der Feiertagsgesetze. Nötig sei eine "größere Anpassung an die gesellschaftliche Realität", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es gehe darum, den Christen die Möglichkeit zu geben, diesen Tag in Stille zu begehen, ohne anderen ihre Lebensweise vorzuschreiben, erklärte der Kommunalvertreter. Insoweit könne auch eine Tanzveranstaltung in geschlossenen Räumen die Feiertagsruhe der übrigen kaum stören.

Tobias Afsali, bayerischer Landesvorsitzender der Jusos, sieht die gesetzliche Regelung für den Karfreitag als veraltet: "Das Tanzverbot ist von vorgestern und passt nicht mehr in unsere moderne Gesellschaft", schreibt der SPD-Politiker in einer Pressemitteilung. "Allen Menschen eine Verhaltensweise an bestimmten Tagen aufzuzwingen, passt nicht zu unserer Vorstellung von freien Lebensentwürfen."

Bayern will das Gesetz zu "stillen Tagen" allerdings nicht weiter lockern - für den Karfreitag soll weiterhin ein striktes Tanzverbot gelten. "Wir haben eine intensive Diskussion gehabt und einen Kompromiss gefunden", sagte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Im Jahr 2013 hatte der Landtag einem Gesetzentwurf der Staatsregierung - damals noch mit FDP-Beteiligung - zugestimmt und das Tanzverbot an sechs "stillen Tagen" aufgeweicht. In den Nächten vor anderen stillen Tagen darf bis 2 Uhr morgens getanzt werden - zwei Stunden länger als vor der Gesetzesänderung. Ausgenommen sind Karfreitag, Karsamstag und Heiligabend.

Für Karfreitag gilt: Jede Art von "Musikdarbietung in Räumen mit Schankbetrieb" ist nach Angaben des Innenministeriums ausnahmslos verboten. Dabei soll es auch bleiben. "Wir haben wahrscheinlich mit die umfangreichsten Regelungen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Nach Angaben des Innenministeriums hat kein Bundesland mehr "stille Tage" als Bayern. Neben den drei genannten sind das: Aschermittwoch, Gründonnerstag, Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag und der Buß- und Bettag.

Nachdem Bayern seine Regelungen bereits gelockert hat, will auch Baden-Württemberg nun nachziehen. Hier gilt bislang sogar jeden Sonntag ein Tanzverbot - noch. Denn innerhalb der grün-roten Landesregierung soll bald ein Gesetzentwurf besprochen und mit den Kirchen abgestimmt werden, wie ein Sprecher des Innenministeriums am Mittwoch sagte.
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