Keine Zusage für Ausbau der Bahnstrecke von Nürnberg nach Cheb
Modell-Bahn-Spiele

Archiv
Bayern
24.01.2015
7
0

Volker Kefer ist Infrastrukturvorstand bei der Deutschen Bahn - und damit zuständig für das Schienennetz. Ganz im Gegensatz zu Gleisen lässt er sich aber nicht auf eine Position festnageln.

Die Botschaft, dass die Bahnstrecke von Nürnberg nach Cheb (Eger) als Hauptmagistrale von Bayern nach Prag bald ausgebaut werden würde - sie kommt nicht einmal verspätet; sie fällt völlig aus. Beim Schienensymposium in Marktredwitz erteilt Volker Kefer dem Projekt, das seit rund 20 Jahren in einem deutsch-tschechischen Staatsvertrag vereinbart ist, zwar keine Absage. Aber er entkräftet Stück für Stück alle weiteren Argumente.

Engpass im Westen

Bevor er detailliert auf das Thema der Veranstaltung eingeht, spricht Kefer über Zuwächse beim Güterverkehr und die Überlastung der Nord-Süd-Strecke von Hamburg über Hannover und Nürnberg nach München - mit einem besonderen Engpass zwischen Fulda und Nürnberg. Für Abhilfe solle nach Vorstellung der Deutschen Bahn der "Ostkorridor" sorgen - über Ostdeutschland, Hof und Regensburg nach Südbayern. Er ist laut Kefer "absolut notwendig" und "unverzichtbar".

Gegen den Ausbau von Nürnberg-Cheb sprechen laut Kefer folgende Argumente:

Fahrzeitverlängerung: Stehen nach einer Elektrifizierung keine elektrischen Neigetechnik-Züge mehr zur Verfügung, sind Fahrgäste länger unterwegs als bisher.

Kein Fernverkehr: Nach der für bis Ende des Jahrzehnts geplanten Fertigstellung der Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt sind Fahrten von Dresden nach Nürnberg über diese Route eine Stunde kürzer als über Hof.

Brücken und Tunnel im Pegnitztal: Deren Sanierung ist aufwendig und kostspielig.

Ob eine Strecke gebaut wird, hänge vor allem von der Finanzierung ab, betont Kefer. Gesichert ist diese nach wie vor nicht - weshalb auch eine EU-Förderung in weite Ferne rückt. Die Kostenschätzung nach Preissätzen von 2009 geht von 380 Millionen Euro Investitionsvolumen aus. Die Sanierung von Brücken und Tunneln eingerechnet, komme eine halbe Milliarde Euro zusammen. Kefer: "Eine erhebliche Summe."

Kefer erklärt, dass ohnehin nicht alle Projekte des Bundesverkehrswegeplans finanziert werden können. Aus dem alten Bundesverkehrswegeplan seien Vorhaben im Umfang von 30 Milliarden nicht verwirklicht worden. "Sämtliche Projekte stehen im Wettstreit zueinander." Sie müssten nach den Erfahrungen Kefers als "vordringlicher Bedarf plus" eingestuft werden, damit eine Realisierung innerhalb von zehn Jahren überhaupt wahrscheinlich wird.

"Ein heißes Thema"

Klarheit darüber, welche Strecken diesen Status erhalten werden, gibt es frühestens Ende 2015/Anfang 2016. Dann soll der neue Bundesverkehrswegeplan verabschiedet werden. Für ihn sind zudem alle relevanten Strecken Nordostbayerns angemeldet worden, inklusive der Süd-Route über Schwandorf sowie der Donau-Moldau-Bahn als Neubautrasse.

Selbst für Tschechien hat die Süd- Lösung Charme. Jan Ilik vom Verkehrsministerium in Prag sagt: "Das ist ein sehr heißes Thema. Sie ermöglicht Verbindungen sowohl nach Nürnberg als auch München. Das gefällt dem Verkehrsministerium in Prag sehr. Aber wir sagen nicht, dass wir die Trasse zwischen Marktredwitz und Eger nicht auch bevorzugen." Klar ist jedoch für Ilik: "Wir brauchen weitere Grenzübergänge Richtung Bayern. Das ist für uns sehr wichtig."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.