Kreuzfahrt in die Krise

Szene aus einer der jüngsten "Traumschiff"-Fernsehfolgen mit den Schauspielern (von links) Horst Naumann, Siegfried Rauch, Heide Keller und Pierre Semmler. Das Schicksal des Schiffs ist derzeit ungewiss, es könnte unter Umständen versteigert werden. Bild: ZDF/Dirk Bartling
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Bayern
13.11.2014
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Für die finanziell leckgeschlagene "MS Deutschland", das "Traumschiff" aus der legendären ZDF-Serie, fehlt sogar das Geld für den nächsten Werftaufenthalt. Im schlimmsten Fall könnte das Schiff versteigert werden.

Die Zukunft des finanziell auf Grund gelaufenen "Traumschiffs" bleibt völlig unklar. Ob die Weltreise der insolventen MS "Deutschland" wie geplant am 18. Dezember starten kann, sei unklar, sagte der Vorläufige Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber auf der Gläubigerversammlung am Mittwoch in München.

Derzeit fehlt sogar das Geld für den anstehenden Werftbesuch des als ZDF-"Traumschiff" bekanntgewordenen Kreuzfahrtschiffes. Die Suche nach einem Investor laufe. "Im Moment gibt es aber noch niemanden, der einen akzeptablen Preis bietet", sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Andreas Jung. Sollte kein Investor gefunden werden, drohe der Notverkauf in zwei bis vier Wochen. Die Gläubiger dürften dann nur einen geringen Teil ihres Geldes zurückbekommen. Auf ihrer Versammlung wählten die Gläubiger Stefan Ulrich von der Unternehmensberatung STU Management Partners zu ihrem gemeinsamen Vertreter. Geplant war, Ulrich mit weitreichenden Entscheidungsbefugnissen auszustatten, um mit dem Insolvenzverwalter über eine Beteiligung der Gläubiger an der Sanierung der "MS Deutschland" zu verhandeln. Das scheiterte, weil weniger als 50 Prozent der Gläubiger nach München gekommen waren.

Löhne vorerst sicher

Die Gesellschaft, der das Schiff gehört, hat rund 56 Millionen Euro Schulden. Davon sind 50 Millionen Euro Anleiheschulden, für die die Gesellschaft hohe Zinsen zahlen muss. Löhne und Gehälter der 280-köpfigen Crew sind bis Ende Januar durch das Insolvenzgeld gesichert. Für die geplanten Reisen der "Deutschland" sind weiterhin Reservierungen möglich, von denen der Kunde aber zurücktreten kann. Die Buchungslage sei gut, sagte Schmid-Sperber. "Nur sechs von über 2000 Buchungen wurden storniert."

Unterwegs nach Cádiz

Für den Werftbesuch befindet sich die "Deutschland" derzeit auf dem Weg ins spanische Cádiz. Das Schiff braucht eine Überprüfung, die sogenannte Klasse, sonst darf es ab Dezember nicht mehr fahren. Die Kosten für die Überprüfung bezifferte Schmid-Sperber auf rund zwei Millionen Euro. Teile davon müssen im Voraus an die Werft überwiesen werden. "Die Werft will eine Million Euro, sonst macht sie die Tore nicht auf", sagte Schmid-Sperber.
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