Lange Haft für 700 Schüsse

Das Einschussloch durch ein Projektil Kaliber 22 in einer Autotür zeigt, wie gefährlich die jahrelangen "Frust-Aktionen" des Autobahnschützen für die anderen Verkehrsteilnehmer waren. Bild: dpa
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Bayern
31.10.2014
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Über Jahre hat ein Fernfahrer auf Fahrzeuge geschossen. Die Richter verurteilen ihn wegen versuchten Mordes. Ihre Begründung: Selbstjustiz mit Waffen könne nicht geduldet werden. Laut Verteidigung fußt das Urteil auf illegalen Ermittlungen.

Zu zehneinhalb Jahren Haft ist ein Fernfahrer verurteilt worden, der immer wieder vom Lenkrad aus auf andere Fahrzeuge geschossen und dabei mehrere Menschen verletzt hat. Das Landgericht Würzburg sprach den Mann am Donnerstag unter anderem wegen vierfachen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr schuldig.

"Einzigartige Beschussserie"

"Ich weiß, dass das Urteil Sie hart trifft. Wir können aber Selbstjustiz auf unseren Autobahnen nicht dulden. Schon gar nicht wenn sie mit Waffen ausgeübt wird", sagte der Vorsitzende Richter Burkhard Pöpperl in seiner Urteilsverkündung zu dem Angeklagten. Der 58-Jährige aus der Eifel habe über Jahre hinweg mit dieser "einzigartigen Beschussserie" die Polizei in Atem gehalten. "Sie haben den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen." Es habe ein hohes Risiko eines Fehl- oder Durchschusses gegeben. Daher sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Unschuldige zu Tode gekommen wären.

Der Mann hatte aus Frust im Straßenverkehr zwischen 2008 und 2013 hunderte Male während der Fahrt auf Anhänger von Kollegen geschossen. Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte mehr als 700 Schüsse. Dabei trafen die Kugeln nicht nur Lastwagen, sondern auch Autos. In einem besonders schweren Fall wurde eine Autofahrerin von einem Querschläger am Hals schwer verletzt.

Der Angeklagte hatte die Schüsse zugegeben und beteuert, er habe immer nur auf die Ladung geschossen und nie jemanden verletzen wollen. Seine letzten Worte vor der Urteilsverkündung waren: "Ich möchte sagen, dass ich kein Mörder bin." Er war erst gefasst worden, nachdem das BKA an Autobahnabschnitten die Kennzeichen aller Fahrzeuge erfasst und mit den Tatzeiten abgeglichen hatte.

Die Verteidigung stufte diese Methode als gesetzeswidrig ein. Deshalb hatte sie Freispruch gefordert und wird vor dem Bundesgerichtshof Revision gegen das Urteil einlegen.
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