Mehr Mundart für junge Hörer

Der mittleren und älteren Generation ein digitales Rentnerbankerl einzurichten, der jungen Generation aber weiterhin keine Sprachheimat zu geben, ist der falsche Weg.
Archiv
Bayern
21.02.2015
6
0

Junge Menschen kommunizieren auf Facebook wie selbstverständlich im Dialekt - für den Dialektpfleger Sepp Obermeier "eine kleine sprachkulturelle Revolution". Sein Appell: Der Bayerische Rundfunk soll Sendungen im Dialekt für die "Generation Facebook" anbieten.

(dpa/tos) Dialekt speziell für junges Publikum sollten nach Überzeugung des Bundes Bairische Sprache eine Selbstverständlichkeit sein. "Beiträge mit Moderatoren, die neben der Standardsprache auch auf Mittelbairisch, Schwäbisch und Fränkisch durch die Sendung führen, wären aus dem Stand ohne finanziellen Mehraufwand möglich", sagte Dialektpfleger Sepp Obermeier.

Er appellierte zum Internationalen Tag der Muttersprache am Samstag an den Bayerischen Rundfunk (BR), auch der jungen Generation eine Heimat für deren Dialekte zu geben. "Unsere Forderung an den staatlichen Rundfunk mit kulturellem Auftrag sollte nicht als übliche obligatorische Erinnerungstagsrhetorik eingeordnet werden, sondern als verzweifelter Hilferuf", betonte Obermeier. "Denn wir mussten im vergangenen Jahr mit Kopfschütteln feststellen, dass selbst Vereinsobere unter den Mundartschützern der eigenen Sache einen Bärendienst erweisen, indem sie sich bei Jubiläumsgrußworten und Interviews als notorische Dialektvermeider in den Audio- und Videoportalen unglaubwürdig verewigen."

Mundart wird zu Schreibart

Schon vor Jahren habe die Jugend in den sozialen Netzwerken begonnen, im Dialekt zu kommunizieren, erläuterte der Vereinsvorsitzende. "Sie hat aus der Mundart eine Schreibart gemacht und damit eine kleine sprachkulturelle Revolution auf den Weg gebracht."

Dieses neue muttersprachliche Selbstbewusstsein finde in den audiovisuellen Medien bisher aber kein Echo, beklagte Obermeier, der gegenüber unserer Zeitung seinen Standpunkt vertiefte: "Dass Bairisch nicht verstaubt, sondern kompatibel ist mit der ,Heimat 2.0', dafür gibt es Sendematerial genug,"

Daher seine Forderung: "Damit endlich das Eis für einen selbstverständlichen Dialektgebrauch in der Öffentlichkeit gebrochen wird, fordern wir vom Bayerischen Rundfunk, dass er dem sprachlichen Selbstbewusstsein der ,Generation Facebook' die öffentlich-rechtliche Salonfähigkeit zukommen lässt."

Obermeier lobte, dass es der Politik und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Bayern nach Jahrzehnten endlich gelinge, den Begriff Heimat von Klischees zu befreien. "Mit der Schaffung eines Heimatministeriums und der Installation des neuen digitalen Hörfunksenders ,BR-Heimat' sollte man jedoch nicht auf halbem Wege stehenbleiben", so sein Appell. "Der mittleren und älteren Generation ein digitales Rentnerbankerl einzurichten, der jungen Generation aber weiterhin keine Sprachheimat zu geben, ist der falsche Weg."

Obermeier sieht in dem geplanten endgültigen Aus für die Sendungen des österreichischen Fernsehens ORF in Deutschland durch Verschlüsseln im bayerischen Grenzgebiet eine Chance. "Der Verlust von liebgewonnenen identitätsstiftenden Fernsehsendungen unserer bairisch sprechenden Nachbarn wäre mit mehr mundartlichen Anteilen im Bayerischen Rundfunk leicht zu kompensieren." (Angemerkt)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.