Memmingen: 57-Jähriger vom Missbrauchsvorwurf freigesprochen
Zeuge nicht glaubwürdig

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Bayern
23.10.2015
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Neun Monate saß der Mann in Memmingen in Untersuchungshaft. Der Vorwurf lautete auf schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes. Nun wurde er freigesprochen. Grund: Der Zeuge war nicht glaubhaft. "Die Vorwürfe des einzigen Belastungszeugen sind nicht nachweisbar", sagte die Vorsitzende Richterin des Landgerichts Memmingen am Donnerstag in der Urteilsbegründung.

Der 57-Jährige war angeklagt, sich vor elf Jahren in Neu-Ulm wiederholt an dem damals zwölfjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin vergangen zu haben. Insgesamt wurden dem Mann 39 Fälle zur Last gelegt. Mit dem Freispruch folgte das Gericht dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Für die Untersuchungshaft wird der Mann entschädigt.

"Anatomisch unmöglich"

Es hätten sich erhebliche Widersprüche in den Aussagen des heute erwachsenen Mannes ergeben, dem der Missbrauch erst nach vielen Jahren "eingefallen" war. Zudem seien seine Schilderungen der angeblichen sexuellen Übergriffe teilweise "anatomisch nicht möglich".

Scharfe Kritik übte das Gericht an dem Gutachten einer Psychologin, die die Aussagen des Zeugen zunächst als glaubhaft eingestuft hatte. Ohne dieses fehlerhafte Gutachten wäre dem Angeklagten Haftzeit erspart geblieben, sagte die Richterin. Erst im Juli 2014 hatte das vermeintliche Opfer Anzeige gegen seinen Stiefvater erstattet - acht Jahre nach dessen Trennung von der Mutter. Das Urteil ist rechtskräftig.
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