Messerstiche ins Auge

Der Angeklagte (Mitte) mit seinem Anwalt Harald Baumgärtl (rechts) und einem Justizbeamten auf dem Weg in den Saal des Landgerichtes Traunstein. Dem 21-Jährigen werden Mord und Mordversuch vorgeworfen. Bild: dpa
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Bayern
15.04.2015
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Es war die Nacht, in der Mario Götze Deutschland zum WM-Sieg in Brasilien schoss. Während die meisten Menschen feierten, soll ein heute 21-jähriger Soldat in Bad Reichenhall einen Rentner ermordet und eine Jugendliche schwer verletzt haben. Vor Gericht schweigt der Angeklagte.

Mit der Aussageverweigerung des Angeklagten hat der Prozess gegen den jungen Mann begonnen. Der ehemalige Bundeswehrsoldat muss sich seit Dienstag vor dem Traunsteiner Landgericht wegen Mordes und Mordversuches verantworten. Er soll einen 72-Jährigen vor neun Monaten in Bad Reichenhall auf offener Straße erstochen und dann eine Auszubildende niedergestochen haben.

Begangen wurden beide Verbrechen am frühen Morgen des 14. Juli 2014 - nur wenige Stunden nach dem Triumph der deutschen Kicker bei der Fußball-WM. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der aus Morbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) in Rheinland-Pfalz stammende Soldat die Kaserne in dem Kurort damals mit dem festen Vorsatz verließ, jemanden umzubringen. Laut Anklageschrift prahlte er in der Tatnacht vor Passanten sogar, dass er gerade einen Menschen umgebracht habe.

Der Verteidiger gab zu Prozessbeginn eine Erklärung ab. Demnach wird sich sein damals 20 Jahre alter Mandant im Verfahren vor der Jugendkammer nicht äußern. Laut der von Oberstaatsanwalt Volker Ziegler verlesenen Anklageschrift stach der Täter beiden Opfern mit voller Wucht ins linke Auge. Dem Rentner fügte er mit einem Kampfmesser an die 30 Stiche in Kopf und Oberkörper zu, ehe er mit dessen Geldbörse floh. Der Malermeister starb an zentraler Lähmung, lebenswichtige Teile seines Gehirns waren zerstört worden.

Eine halbe Stunde später begegnete der Soldat laut Anklage seinem zweiten Opfer. Die 17-Jährige war auf dem Nachhauseweg, als er sie von hinten angegriffen und mit derselben Waffe mehrmals zugestochen habe. Sie schleppte sich mit letzter Kraft zu einem Haus und klingelte die Bewohner heraus, die sofort ärztliche Hilfe holten. Die Jugendliche überlebte, sie ist aber seit der Tat auf dem linken Auge blind.

Eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe schilderte den Angeklagten vor Gericht als kontrollierten Menschen, der großen Wert darauflege, als intelligent angesehen zu werden. Die Eltern hätten sich getrennt, als er fünf Jahre alt war. Der Vater soll gewalttätig gegenüber seiner Mutter gewesen sein, vertraute der Angeklagte der Behördenvertreterin an. Lange Zeit lebte er demnach im Heim, später im Obdachlosenheim.

Urteil am 20. Mai

Sie schilderte weiter, dass der junge Mann früh mit seinem Elternhaus gebrochen habe. Er habe zu ihr gesagt: "Hätte ich andere Eltern gehabt, wäre ich mit Sicherheit nicht hier gelandet." Zur Tat selbst äußerte sich der Angeklagte auch im Gespräch mit der Behördenvertreterin nicht. Sie gab sich aber überzeugt, "dass ihn die Situation extrem belastet, aber dass er seine ganze Energie darauf verwendet, es sich nicht anmerken zu lassen".

Für den Prozess sind weitere zehn Verhandlungstage vorgesehen. Es werden mehr als 50 Zeugen und Sachverständige gehört. Das Urteil will die Jugendkammer am 20. Mai verkünden. Die Angehörigen des Mordopfers und die junge Frau treten als Nebenkläger auf. Am Freitag soll die Auszubildende als Zeugin vernommen werden.
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