Missbrauch: Pfleger muss in Haft

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Bayern
27.11.2015
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Die Tat wäre vermutlich nie aufgeflogen, wäre die schwer behinderte Autistin nicht schwanger geworden. Das Landgericht München verurteilte nun einen Pfleger zu langjähriger Haft.

Das Münchner Landgericht hat einen früheren Pfleger wegen schweren Missbrauchs einer Autistin zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Die heute 28-Jährige war schwanger geworden und hatte im Mai einen Buben geboren. Sie sei aufgrund ihrer Behinderung vollkommen widerstandsunfähig gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Martin Rieder am Donnerstag in seiner Urteilsbegründung. "Das hat der Angeklagte schamlos ausgenutzt." Das Gericht hielt dem Mann lediglich zugute, dass er bisher nicht strafrechtlich aufgefallen war.

"Abwegige" Darstellung

Die Version des Angeklagten nannte der Richter "abwegig" und "lebensfremd". Der 52-Jährige hatte in einer Erklärung angegeben, die Frau sei schwanger geworden, als er im August 2014 hinter ihr zum Samenerguss gekommen sei - ohne dass er die nackt mit dem Rücken zu ihm Stehende sexuell berührt habe. Die Frau selbst kann sich nicht äußern. Zeugen gibt es nicht.

Die Anklage hatte zwölf Jahre Haft verlangt, die Nebenklage beantragte sogar 13 Jahre. Staatsanwalt Florian Burkhardt sagte, er habe aufgrund der Aussage einer Gynäkologin keinen Zweifel, dass die Frau vor dem Vorfall noch Jungfrau war. Er sei felsenfest davon überzeugt, dass der Angeklagte den Geschlechtsverkehr vollzogen und die Frau nicht im Rahmen eines "Unfalls" geschwängert habe. Er sehe darin den "denkbar schwersten Fall eines Missbrauchs einer Widerstandsunfähigen". Die Verteidigung hatte Bewährung gefordert.

Anwalt Ekkehard Dehn sagte, er erwäge die Einlegung von Rechtsmitteln. "Man hat den Eindruck, beide wären dabei gewesen", warf er den Vertretern von Anklage und Nebenklage in seinem Plädoyer vor. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Version seines Mandanten stimme. "Das mag nicht der alltägliche Weg einer Zeugung sein, aber es ist nicht ausgeschlossen."

Gutachter: Nicht unmöglich

Der Gerichtsmediziner und Gutachter Wolfgang Eisenmenger hatte gesagt, eine Zeugung sei bei der Version des Angeklagten zwar nicht wahrscheinlich, aber auch nicht ganz auszuschließen.

Der Pfleger sitzt seit Sommer in Untersuchungshaft. Ohne die Schwangerschaft wäre der Missbrauch möglicherweise nicht ans Licht gekommen. Ein DNA-Test wies die Vaterschaft nach. Das Kind lebt nun bei Pflegeeltern.
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