Mithelfen oder abhauen

Schlamm und Gestein machten viele Häuser in Oberstdorf unbewohnbar. Bild: dpa
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Bayern
16.06.2015
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Vielen Oberstdorfern sitzt der Schrecken noch in den Knochen: Nach extrem starkem Regen ist eine Lawine aus Schlamm und Geröll über ein Wohngebiet niedergegangen. Manche Menschen wissen nicht, ob sie ihr Haus jemals wieder bewohnen können. Schau-lustige sorgen zudem für Unmut bei den Betroffenen.

Auch einen Tag nach dem Unwetter sorgt die Schlammlawine in Oberstdorf für Aufregung in dem Allgäuer Ferienort. Zahlreiche Schaulustige kommen am Montag trotz strömenden Regens in das betroffene Wohngebiet unterhalb der Skisprungschanze, um sich ein Bild von dem Naturereignis zu machen.

Wütende Bewohner

"Wenn sie uns helfen wollen, dann kommen sie. Sonst hauen sie endlich ab", ruft eine Bewohnerin voller Wut den vielen Menschen zu, die unter ihren bunten Regenschirmen neugierig die Aufräumarbeiten verfolgen und fotografieren. Am Sonntagnachmittag hatten Wildbäche nach einem Wolkenbruch Geröll, Schlamm und Wasser in das Wohngebiet geschwemmt. Laut Wasserwirtschaftsamt Kempten waren innerhalb einer dreiviertel Stunde 60 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.

"Das war ein extremes Ereignis, das alles rausgespült hat", sagt Amtsleiter Karl Schindele. Als die Schlammmassen kamen, seien die Hausbewohner noch knapp aus ihren Keller gekommen. Die Lawine war unterhalb der Skisprungschanze zum Stehen gekommen. Der Schlamm hatte dort teilweise mehrere Meter hoch gestanden.

"Wir hatten keine Chance, der Schlamm kam durch den Garten. Jetzt ist das ganze Haus voll damit und wir wissen nicht, wie wir den Dreck rausbringen sollen", klagt ein Bewohner, den es besonders schlimm erwischt hat. Vier Häuser unterhalb des Skisprungstadions waren nach Angaben der Feuerwehr am Montag noch unbewohnbar. Ob ein Doppelhaus jemals wieder bewohnt werden kann, wird in den nächsten Tagen von Statikern geprüft. Es galt zunächst als einsturzgefährdet.

Häuser unbewohnbar

"Ich lebe seit 40 Jahren hier, aber an so einen heftigen Regen kann ich mich nicht erinnern", sagt Max Burkart. Er wohnt ebenfalls in dem betroffenen Wohngebiet, hatte aber Glück. "Uns hat es nur etwas Kies über den Weg geschwemmt, das Haus war nicht betroffen." Dennoch musste Burkart mit seinen Feriengästen das Haus verlassen. Rund 300 Einwohner waren nach dem Murenabgang vorübergehend in Sicherheit gebracht worden. Die meisten hatten jedoch die Nacht bereits wieder in ihren Häusern verbringen können.

Der Bürgermeister der Gemeinde, Laurent Mies, schätzt den Schaden auf eine hohe Millionensumme. "Die Gebäudeschäden sind immens. Und doch ist letztlich zum Glück nur Sachschaden entstanden, es gab keine Verletzten." Sowohl das Stadtoberhaupt als auch der Einsatzleiter der Feuerwehr zeigen sich überwältigt von der "ungeheuren Solidarität im Ort". Viele Nachbarn hätten alles stehen und liegen lassen, um zu helfen. "Es war für uns alle sehr schön zu sehen, wie viel Hilfestellung da war. Auch Asylbewerber waren vor Ort, um anzupacken", sagt Mies.
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