"München soll stolpern!"

Stolpersteine mit den Namen von deportierten Juden am Königsplatz in München. Per Stadtratsbeschluss ist ab sofort die Verlegung der Gedenksteine untersagt. Bild: dpa
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Bayern
30.07.2015
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In vielen Städten wird mit sogenannten Stolpersteinen im Boden der Opfer des NS-Terrors gedacht. München lehnt das ab. Ein Grund: Respekt vor den Menschen, die ein Gedenken im Straßenschmutz als unwürdig ablehnen. Die Befürworter wollen aber nicht aufgeben.

In München wird es auch in Zukunft keine Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors geben. Der Stadtrat sprach sich am Mittwoch in einer emotionalen, aber dennoch angemessenen Debatte mehrheitlich dagegen aus, die mit Messingplatten bedeckten Pflastersteine auf öffentlichen Straßen und Plätzen zuzulassen. Stattdessen sollen Stelen und Gedenktafeln an Hauswänden sowie ein zentrales Namensdenkmal auf die Schicksale der Ermordeten aufmerksam machen, darunter Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte oder politisch Verfolgte.

In vielen Städten erlaubt

Die in die Gehwege eingelassenen Stolpersteine werden von manchen Angehörigen als unwürdige Form des Gedenkens empfunden, da die Opfer ihrer Ansicht nach erneut mit Füßen getreten werden.

So sieht es auch der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern, der Stolpersteine für getötete Juden ablehnt. Es sei für ihn nicht denkbar gewesen, eine Gedenkform zu etablieren, die von der IKG als Vertreterin der mit Abstand größten Opfergruppe abgelehnt werde, erklärte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl seine ablehnende Haltung gegenüber Stolpersteinen. CSU-Stadtrat Marian Offmann nannte persönliche Gründe, war doch ein Großteil seiner Familie wegen ihres jüdischen Glaubens von den Nazis getötet worden. Dennoch habe er aber auch Verständnis für Menschen, die sich Stolpersteine wünschten.

In vielen Städten sind die Messingplatten selbstverständlich, etwa in Hamburg, Berlin und in Budapest. Weltweit gibt es rund 50 000 Stolpersteine in 1200 Städten in 18 Ländern. Der Streit um ihre Verlegung in München währt schon mehr als zehn Jahre. 2004 hatte der Stadtrat sich schon einmal dagegen ausgesprochen. Bereits verlegte Steine wurden entfernt.

Klage und Bürgerbegehren

Befürworter wie Terry Swartzberg von der Initiative "Stolpersteine für München" waren nach dem Stadtratsvotum enttäuscht. "Unsere Kampagne geht weiter", sagte der Aktivist und kündigte neben einer Klage auch ein Bürgerbegehren an. Eine Online-Petition hat bereits knapp 100 000 Unterschriften gesammelt. "München soll stolpern!", findet Swarzberg, der guten Mutes ist und von zahlreichen Opfer-Angehörigen unterstützt wird.

Stolpersteine seien weltweit in 1200 Städten möglich. "Warum sollten sie illegal in München sein?" Denkbar sei auch, die Verlegung der Steine als Kunstaktion zu deklarieren. "Wir werden die Stolpersteine verlegen in München, relativ bald."

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Das Stolpersteine-Projekt im Internet:

http://www.stolpersteine.eu
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