Münchner Stadtneurotiker

Helmut Dietl war jahrzehntelang fast immer mit Zigarette im Mundwinkel zu sehen. 2007 hörte er mit dem Rauchen auf, 2013 gab er seine Krebserkrankung bekannt. Mit 70 Jahren ist er am Montag gestorben. Bild: dpa
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Bayern
31.03.2015
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Er galt als deutsche Antwort auf Woody Allen. Dem Regisseur Helmut Dietl gelang es immer wieder, mit seinen Fernsehserien und Kinofilmen der feinen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Jetzt ist er mit 70 Jahren gestorben.

Er hat der Münchner Schickeria den Spiegel vorgehalten, sich über die gefälschten Hitler-Tagebücher lustig gemacht und über das "Suchen und Finden der Liebe" sinniert. "Die einen kriegen Kinder, die anderen machen Filme. Jeder wehrt sich auf seine Weise gegen den Tod, so gut es geht", sagte Helmut Dietl, einer der bedeutendsten deutschen Regisseure, in einem Interview. Am Montagmittag ist er gestorben - im Kreise seiner Familie in seiner Münchner Wohnung, wie "Zeit Online" berichtete.

Eine Million Zigaretten

Im November 2013 hatte er seine schwere Krebserkrankung öffentlich gemacht. Erst einen Monat zuvor hatte er selbst die erschütternde Diagnose erhalten: Lungenkrebs. Überrascht war er nicht, wie er sagte. "Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist." Sechs Jahre zuvor hatte er mit dem Rauchen aufgehört und bis dahin nach eigener Berechnung ungefähr eine Million Gitanes geraucht.

Dietl war einer der bedeutendsten Regisseure Deutschlands und wurde in den 80er Jahren berühmt mit den Serien "Monaco Franze" und "Kir Royal". Dietls letzter, mit Spannung erwarteter Film "Zettl", die Fortsetzung seiner Kultserie "Kir Royal", floppte 2012 grandios. Früher aber, zur Zeit seiner großen Erfolge, wurde der Regisseur von Filmkritikern als deutsche Antwort auf Woody Allen gefeiert. Er ist der geistige Vater von Kultfilmen wie "Schtonk" (1992) und "Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" (1997). Und ebenso wie Allen deckte der im oberbayerischen Bad Wiessee geborene Dietl mit Vorliebe menschliche Schwächen auf und beleuchtete gesellschaftliche Kuriositäten.

Im Jahr 2005 kam mit "Vom Suchen und Finden der Liebe", einer modernen Adaption des Orpheus und Eurydike-Stoffes, eine sehr persönliche Komödie in die Kinos. Das Drehbuch dazu schrieb "Das Parfum"-Autor Patrick Süskind, der eng mit Dietl befreundet war.

Glaube an die Liebe

Dietl selbst war viermal verheiratet und hatte drei Kinder mit verschiedenen Frauen. "Man darf nicht den Glauben an die große Liebe verlieren, selbst wenn die Erfahrung das Gegenteil lehrt", sagte der Regisseur, der zehn Jahre an der Seite von "Superweib" Veronica Ferres verbrachte, einmal. "Oder man kann sich gleich hinsetzen und auf den Tod warten."

Dietl kam nach seinem Abitur an einem Schwabinger Gymnasium, einem abgebrochenen Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und einem Abstecher in die Münchner Kammerspiele zu Film und Fernsehen. 1973 debütierte er mit den inzwischen legendären "Münchner Geschichten" im Vorabendprogramm. Zuletzt arbeitete Dietl an einem Film mit dem österreichischen Humoristen Josef Hader. Das Drehbuch thematisiert auch den Schlaganfall, den Dietl im Jahr 2007 erlitt.
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