Nach Brandanschlägen: Menschenkette gegen Rechtsradikalismus
Hand in Hand gegen Gewalt

Vorra steht eng zusammen: Eine Menschenkette zieht sich durch den Ort, in den in der kommenden Woche Asylbewerber einziehen sollten. Bild: dpa
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Bayern
15.12.2014
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Das Entsetzen über die Brandanschläge von Vorra ist immer noch groß. Die Menschen in dem Ort wehren sich mit einer Menschenkette gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Polizei sucht fieberhaft nach den Tätern.

Nach dem Brandanschlag auf geplante Flüchtlingsunterkünfte in Vorra bei Nürnberg sind am Wochenende zahlreiche Menschen gegen Fremdenhass und Rechtsextremismus auf die Straße gegangen. Am Sonntag bildeten mehrere 100 Bürger in dem mittelfränkischen Ort eine Menschenkette um die beschädigten Gebäude. Bereits am Samstag hatten mehrere 100 Menschen in Vorra demonstriert.

Suche auf Hochtouren

Unterdessen suchte die Polizei weiter nach den Tätern. "Die Maschinerie läuft auf Hochtouren", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken am Sonntag. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte am Samstag am Rande des CSU-Parteitags in Nürnberg erklärt, die Ermittler "arbeiten so schnell wie möglich und sehr penibel". Unbekannte hatten am späten Donnerstagabend in dem 1700-Einwohner-Ort einen als Flüchtlingsunterkunft umgebauten Gasthof samt Scheune sowie ein frisch renoviertes Wohnhaus in Brand gesteckt. Auf ein Nebengebäude sprühten die Unbekannten eine Naziparole sowie zwei Hakenkreuze. Alle Gebäude liegen im Zentrum des idyllischen Ausflugsorts.

Auf Drängen der Polizei ließ die Gemeinde noch am Samstag die von den unbekannten Tätern an eine Hauswand gesprühten rechtsextremen Parolen überstreichen. In München sprühten Unbekannte unter anderem ein Hakenkreuz an ein Parteibüro der "Linken".

Nach Angaben der Polizei sind inzwischen etliche Hinweise bei der 20-köpfigen Sonderkommission "Vorra" eingegangen. Auch dem Verdacht, hinter der Tat könne möglicherweise eine mutmaßliche rechtsextreme Gruppe stecken, die sich seit längerer Zeit in einem Wochenendhaus nahe Vorra trifft, werde nachgegangen. Die Ermittler hoffen daneben auf Hinweise aus der Bevölkerung. Für Hinweise zur Aufklärung der Tat wurde zudem eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

Am Sonntagvormittag trafen sich zahlreiche Bürger von Vorra zum Solidaritätsgottesdienst in der evangelischen Kirche. Der Nährboden für dumpfe braune Parolen müsse ausgetrocknet werden, sagte der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche in seiner Predigt. "Vorra ist in den vergangenen Tagen noch enger zusammengewachsen", sagte Pfarrer Björn Schukat. "Wir in Vorra lassen uns nicht unterkriegen". Man wolle sich weiter in der Flüchtlingshilfe engagieren. In der Kirchengemeinde hatte sich eigens ein Arbeitskreis gegründet, als bekannt wurde, dass Flüchtlinge nach Vorra kommen sollten. Die Gemeindemitglieder hatten bereits ein Willkommensfest für die Asylsuchenden geplant.

Appelle der Kirche

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Münchner Kardinal Reinhard Marx rief dazu auf, "gegen jede Gewalttat und gegen jeden Hass aufzustehen". Der Ratspräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte am Samstagabend Vorra besucht. Er forderte dazu auf, gegen Ausländerfeindlichkeit "ganz klar Flagge zu zeigen". "Wir müssen alle deutlich machen: So was hat hier nichts zu suchen."
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