Nach dem Ekel-Skandal: Prozess gegen ehemalige Manager von Müller-Brot hat begonnen
Alarmstufe Brot

Die angeklagten ehemaligen Manager der Großbäckerei Müller-Brot im Saal des Landgerichts Landshut. Bild: dpa
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Bayern
02.11.2015
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Den Verbrauchern dreht sich der Magen um: Maden, Schaben, Mäusedreck, und Rost finden Lebensmittelkontrolleure in der Großbäckerei Müller-Brot in Bayern. Die damaligen Manager stehen nun vor Gericht.

Es geht um unfassbare Vorwürfe gegen den ehemaligen Haupteigentümer (69) und seine beiden Nachfolger als Geschäftsführer bei dem Großbäcker aus Neufahrn bei Freising. Das Trio sitzt seit Montag auf der Anklagebank im Landgericht Landshut. Die Vorwürfe lauten: Inverkehrbringen von Lebensmittel, die nicht zum Verzehr geeignet waren, Betrug in 238 Fällen, Untreue und Insolvenzverschleppung.

Über ihre Anwälte lassen die Angeklagten mitteilen, dass sie die Vorwürfe zurückweisen. Mäuse, Schaben, Maden, Fruchtfliegen, Käfer, Motten und Rost hatten Lebensmittelkontrolleure bei sechs unangemeldeten Kontrollen in den Produktionslinien gefunden. Trotzdem wurden unter diesen ekeligen Hygienezuständen täglich Zehntausende Brötchen, Brote und Feinbackwaren gebacken.

Das Landratsamt Freising stoppte die Produktion Anfang 2012. Zwei Wochen später meldete das Unternehmen Insolvenz an. 1250 Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Der damalige Firmenchef hat sich laut Anklage auch persönlich bereichert, obwohl das Unternehmen bereits in eine heftige Schieflage geraten war.

Von April 2010 bis 2012 wurden von Müller-Brot mehr als 518 000 Euro an die Gestüt Famos GmbH für das Anbringen einer Werbetafel überwiesen. Anders als bei vielen Lieferanten wurde hier pünktlich gezahlt, obwohl laut Staatsanwaltschaft keine Gegenleistung erbracht wurde und damit auch gar kein Werbezweck erfüllt werden konnte. Pikant dabei: Der alleinige Geschäftsführer der Gestüt Famos GmbH war laut Staatsanwaltschaft der damalige Chef von Müller-Brot, ein passionierter Pferdezüchter.

Strafrechtlich wiegt der Vorwurf des Betrugs, der Untreue und der Insolvenzverschleppung zwar größer. Bei den Verbrauchern werden aber die massiven Hygienemängel im Gedächtnis bleiben. „Eine Großbäckerei, bei der auch nach zahlreichen von der Lebensmittelüberwachung angeordneten Maßnahmen gravierende Probleme und eine mangelhafte Grundhygiene festzustellen sind, ist auch für die Lebensmittelüberwachung ein außergewöhnlicher Fall“, sagt Christian Weidner vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen.

Und wie so oft bei Lebensmittelskandalen in Deutschland: Erst als Letztes werden die Bürger davon in Kenntnis gesetzt. Die Öffentlichkeit erfuhr nichts von den Schaben in der Müller-Fabrik, obwohl bereits die Staatsanwaltschaft eingeschaltet war. Nach geltendem Recht ist es für Behörden riskant, wenn sie in solchen Fällen Bürger informieren. Sie laufen Gefahr, von den Unternehmen verklagt zu werden. Verbraucherorganisationen fordern seit langem, die Ergebnisse aller Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen.

„Solange Verbraucher nicht erfahren, wer die Ekel-Bäcker und Schmuddel-Wirte sind, fehlt für die Betriebe schlicht der Anreiz, sich an die gesetzlichen Vorgaben zu halten“, sagt Andreas Winkler von Foodwatch. Bleibe es bei der jetzigen Regelung, sei der nächste Skandal nur eine Frage der Zeit.