Neustart mit etwas Angst

Lieber ein Neoliberaler als ein Neonazi. Ingo Appelt.
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Bayern
09.10.2014
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Das "Kabarett aus Franken" will ein jüngeres Publikum ansprechen. Ins Haus geholt hat sich der Bayerische Rundfunk dafür Ingo Appelt als neuen Moderator. Der Neustart nach der Sommerpause wirkt auch weniger altbacken, doch nicht alle Gags kommen an.

Der Neuhauser Kabarettist Norbert Neugirg und seine Drei-Mann-Band "The Houbous" mit Bläsern und Quetschkommode sind verschwunden. Stattdessen gibt es jetzt einen Flachbildschirm mit Einspielern des Nürnberger Internet-Komödianten Roman Sörgel alias Bembers. Und das Publikum im Studio ist im Schnitt jünger als zuletzt.

Die BR-Sendung "Kabarett aus Franken" startet heute nach der Sommerpause mit Ingo Appelt als neuem Moderator. Mit dem 47-Jährigen wirkt die Sendung moderner und professioneller. Und den Neustart begleiten Künstler wie Wolfgang Krebs und Hans-Joachim Heist alias Gernot Hassknecht ("Heute-Show").

Appelt wirkt bei seiner Premiere noch etwas angespannt. Der ohnehin schnell sprechende Comedy-Star scheint an Tempo noch zugelegt zu haben - er moderiert abwechselnd fränkisch und hochdeutsch. Am Anfang habe er ein wenig Angst vor der Sendung gehabt, gibt er zu. "Das hier ist für mich ein Adelsschlag", sagt er und spielt auf sein früheres Image als Proleten-Comedy-Mann an. Vorbereitet habe er sich auf die Sendung "gar nicht". Dafür war keine Zeit.

Appelt nimmt sich zurück

Das Franken-Kabarett solle jedoch auch "keine Ingo-Appelt-Personality-Show" sein. Er nehme Rücksicht auf Befindlichkeiten bei Themen wie etwa der Kirche. Statt die "Provokationsschiene" fahren zu wollen, sehe er sich vielmehr als "Vermittler", damit die Sendung nicht nur in Franken ankommt. "Es ist ja nicht gut, wenn es in so einem provinzlerischen Saft schmort", sagt Appelt. Wegen seiner 15 in Würzburg verbrachten Jahre kenne er Franken gut.

Trotzdem sei es für ihn schwierig gewesen, mit dem Dialekt klar zu kommen. "Ich habe ihn mir als eine Art Heimatgefühl angeeignet." Viele Gags sitzen, andere kommen dagegen nicht ganz an wie etwa der Spruch: "Lieber ein Neoliberaler als ein Neonazi."

Unterstützt wird Appelt vom Bad Kissinger Kabarettisten Michl Müller, was das Ganze wohltuend auflockert. Gemeinsam ulken die beiden über Ursula von der Leyen: "Die Uschi auf LSD-Trip in Kurdistan" - wobei LSD für "Landessicherheitsdienst" steht. Heist poltert in gewohnter Lautstärke nicht über Politik, sondern erläutert das "Hassknecht-Prinzip". Er zeigt den Weg ins erfolgreiche Choleriker-Dasein auf: "Tauschen Sie das ,Guten Tag' gegen ,Was glotzt du so blöd?'".

Highlight der Sendung ist jedoch Wolfgang Krebs als Markus Söder. Der Minister sitzt wie auch Markus Rinderspacher (SPD) im Publikum - und trägt ebenso eine hellblaue Krawatte wie Krebs. Das war abgesprochen. Krebs spielt Söder als eine Art Staubsaugervertreter, der den Leuten mit leichter Hand und ganz nebenbei das Geld aus der Tasche zieht. Söder selbst sagt nachher: "Er muss noch in mich hineinwachsen. Die gleiche Krawatte macht noch keinen Söder."
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