Notärzte kritisieren Egoismus

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Bayern
23.02.2015
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Notärzte sollen Leben retten. Dafür müssen sie schnell zu ihrem Einsatzort. Damit das ohne Unfälle klappt, haben sie Blaulicht und Martinshorn. Doch die werden mitunter ignoriert. Das kann Leben kosten, sagen die Notärzte.

Bayerns Autofahrer ignorieren nach Ansicht der Notärzte immer häufiger die mit Sondersignal fahrenden Notarztwagen. "Es herrscht mittlerweile ein ewiger Egoismus im Straßenverkehr. Und das macht sich natürlich auch bei den Einsatzfahrten bemerkbar", sagte Peter Sefrin, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigten Notärzte (AGBN). Das sei nur eine von vielen Formen der Aggressivität im Straßenverkehr. "Aber das ist eine, die eine größere Gruppe betreffen kann, wenn man eigentlich ausrückt, um anderen zu helfen", meinte Peter Sefrin weiter.

Bewusst ignoriert

Bei 70 Prozent der Einsatzfahrten werden dem AGBN-Vorsitzenden zufolge die Rettungswagen ignoriert, ausgebremst oder bewusst blockiert. "So nach dem Motto: ,Den lass ich jetzt nicht durch. Der fährt ja nur mit seinem Auto Pizza holen.' Dabei ist das überhaupt nicht möglich." Diese Reaktionen der Autofahrer ließen das ohnehin hohe Risiko eines Unfalls zusätzlich steigen. Die Notärzte seien zwar praktisch und theoretisch für die gefährlichen Situationen im Straßenverkehr geschult. Doch aufgrund der vielfältigen Reaktionen sei eine spezielle Fahrweise gar nicht möglich. "Die Unberechenbarkeit für die Fahrer ist überproportional." Im vergangenen Jahr seien die bayerischen Notärzte fast 370 000 Mal mit Sondersignal ausgerückt.

Wenn die Straße blockiert ist, ob absichtlich oder unabsichtlich, könne der Notarzt nur warten. "Mehr können wir nicht tun." Die Notärzte würden auch keine Kennzeichen aufschreiben. "Wir möchten nicht die Lehrer der Nation sein und halten das auch nicht für ein adäquates Druckmittel", sagte Sefrin. Er wünsche sich stattdessen mehr Aufklärung, damit Autofahrer sensibilisiert werden. "Man muss zeigen, dass jeder innerhalb von kürzester Zeit selbst in die Situation kommen kann, dass er dringend Hilfe vom Notarzt braucht."

Vor knapp zwei Wochen sorgte der Strafbefehl gegen einen Notarzt für Aufsehen, der wegen Gefährdung des Straßenverkehrs bei einer Einsatzfahrt mehr als 4500 Euro zahlen und den Führerschein für sechs Monate abgeben sollte. Der Strafbefehl wurde wenig später wieder aufgehoben.
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