Ostbayern und Böhmen: Entwicklungsgutachten beauftragt
Stärker kooperieren

Der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) will den Grenzraum zwischen Bayern und Böhmen voranbringen. Ein Gutachten, das gemeinsam mit Tschechien in Auftrag gegeben wurde, soll dabei helfen. Bild: dpa
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Bayern
18.12.2014
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Die engere Kooperation zwischen Ostbayern und Böhmen nimmt zunehmend Gestalt an. Heimatminister Markus Söder und der tschechische Vizeminister für Regionalentwicklung, Zdenek Semorád, haben ein Entwicklungsgutachten in Auftrag gegeben.

Söder und Semorád betrauten mit dem Gutachten das auf Fragen der Regionalentwicklung spezialisierte Beratungsunternehmen Grontmij. Es soll bis Mitte 2015 ein Entwicklungsgutachten für den bayerisch-tschechischen Grenzraum erarbeiten. "Das Gutachten wird ein Gegenentwurf zu den Vorstellungen des Zukunftsrates, der auf die Stärkung der Metropolen abgezielt hatte", erklärte Söder. Semorád erklärte, er erwarte sich von der Studie konkrete Umsetzungsmaßnahmen für eine Vertiefung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Mit Blick auf die weiter vorhandenen Strukturprobleme in den Regionen beiderseits der Grenze meinte Söder, der Eiserne Vorhang wirke auch 25 Jahre nach der Grenzöffnung nach. Ziel sei es nun, aus den beiden Teilräumen in Bayern und Böhmen eine "Verflechtungsregion" zu machen. "Beide Grenzregionen sollen aufblühen und an die wirtschaftlichen Kontakte aus der Vergangenheit anknüpfen", sagte Söder.

Attraktiv für junge Leute

Die bayerischen Grenzregionen sollen dadurch attraktiver für junge Leute und Unternehmen werden, um so der demografischen Entwicklung mit Bevölkerungsschwund und Überalterung entgegenzuwirken. In Bayern werden dafür die Regierungsbezirke Oberfranken, Oberpfalz und Niederbayern ins Auge gefasst, auf tschechischer Seite die Regionen Karlsbad, Pilsen und Südböhmen.

Söder legte den Handlungsrahmen für die Gutachter weit aus. Betrachtet werden solle die Möglichkeit von grenzüberschreitenden zentralen Orten, um eine wohnortnahe Versorgungsinfrastruktur aufrechterhalten zu können. Gezielt soll der Abbau von bürokratischen Hemmnissen angegangen und die grenzüberschreitende Verwaltungszusammenarbeit bei Wirtschaft und Arbeitsmarkt verbessert werden. In diesem Zusammenhang wäre auch eine gemeinsame Strategie hilfreich, um EU-Fördergelder besser nutzen zu können, so Söder. Eine engere Kooperation sei auch bei der Verkehrsplanung, der Digitalisierung und beim Regional- und Tourismusmarketing erforderlich. Außerdem soll ein Technologienetzwerk Bayern-Tschechien entstehen, das Basis für eine gemeinsame Universität werden könnte.

Zusammen gestalten

Für einen strategischen Blick auf die Grenzregionen sprach sich Semorád aus. Die Herausforderungen auf beiden Seiten der Grenze seien ähnlich, deshalb sei es sinnvoll, gemeinsame Antworten zu finden. "Wir wollen die Region zusammen gestalten", betonte Semorád. Begleitend zur Arbeit der Grontmij-Experten werden in den kommenden Monaten zwei Regionalforen unter der Leitung von Staatssekretär Albert Füracker stattfinden. Zudem sollen 80 Expertengespräche organisiert und ein regelmäßig tagender "Zukunftsworkshop" eingerichtet werden. Das Gutachten kostet 300 000 Euro.
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