Polizei im Dauereinsatz

Ein Beamter der Bundespolizei nimmt im Notquartier der Bundespolizeiinspektion in Passau mit einem Scanner Fingerabdrücke der syrischen Flüchtlingsfrau Delal mit ihrer Tochter. Bilder: dpa
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Bayern
16.07.2015
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Hunger, Durst, völlige Erschöpfung. Nach wochenlanger Irrfahrt kommen täglich hunderte Flüchtlinge über Österreich nach Bayern. Hier werden sie von der Bundespolizei aufgegriffen und registriert. Die Beamten stoßen an ihre Grenzen.

Delal wartet entspannt auf dem Stuhl vor dem Bundespolizisten. Die 26-Jährige aus Syrien, die am Morgen mitsamt ihrer Familie in Passau aufgegriffen wurde, legt abwechselnd Daumen und Zeigefinger auf den Scanner. Ihre ein Jahr alte Tochter sitzt auf ihrem Schoß und albert herum. Bundespolizist Fabian Pulz lässt die Abdrücke durch die Datenbanken laufen - das Ergebnis ist negativ. Delal ist weder polizeibekannt noch wird sie wegen einer Straftat gesucht. Sie geht zum nächsten Tisch, bekommt Verpflegung und wartet auf den Bus, der sie zur Erstaufnahmeeinrichtung nach Deggendorf bringt.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte moniert, dass es die Bundespolizei seit Monaten nicht mehr schaffe, Fingerabdrücke von allen Personen zu speichern. "Die Gefahr besteht, dass im Flüchtlingstreck sich nicht nur jemand aufhält, der versucht, hier in Deutschland zu einem bescheidenen Wohlstand zu kommen. Es ist natürlich auch die Gefahr, dass sich auch darunter ehemalige Kämpfer aus Syrien oder aus dem Mittleren Osten befinden", sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin".

6500 Flüchtlinge im Juni

"Wir stellen sicher, dass alle aufgegriffenen Flüchtlinge zur Erstaufnahmeeinrichtung nach Deggendorf kommen", sagt der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung, Frank Koller. Dort werden sie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erfasst - sie werden fotografiert und ihre Fingerabdrücke gespeichert. 6500 Flüchtlinge hat die Bundespolizeiinspektion Freyung alleine im Juni erfasst und weitergeleitet. Für das ganze Jahr lautet Kollers Prognose: 60 000 Flüchtlinge. "Dieses Szenario ist einmalig und deutlich größer als die Situation nach dem Balkankrieg." Die Bundespolizei stößt in Passau an ihre Grenzen: 35 Beamte aus Freyung arbeiten rund um die Uhr, unterstützt von zwei Dutzend Beamten aus ganz Deutschland. Dabei kommen laut Koller seit April keine Flüchtlinge mehr aus dem Kosovo, sondern nur noch aus Syrien, Irak, Afghanistan und Pakistan - darunter viele Familien mit Kleinkindern.

Keiner der Flüchtlinge, die von der Polizei aufgegriffen werden, verlässt die X-Point-Halle in Passau, die der Bundespolizeiinspektion Freyung als Notquartier dient. Unter den Augen der Beamten werden die Namen registriert, dann werden die Flüchtlinge in einem Extra-Raum durchsucht. Nachdem die Fingerabdrücke abgeglichen wurden, warten die Menschen auf Feldbetten, bis der Bus nach Deggendorf kommt. "Keiner der Flüchtlinge will untertauchen. Sie wollen in Deutschland legal leben", ist sich Koller sicher. Eine Sicherheitslücke gebe es nicht. Zwei Mitarbeiterinnen des Jugendamtes Passau nehmen in der Halle die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in ihre Obhut. In den ersten sechs Monaten 2015 waren 838 jugendliche Flüchtlinge in der Drei-Flüsse-Stadt angekommen.

20 Tage auf der Flucht

Meist in menschenunwürdigen Transporten kommen die Flüchtlinge nach Deutschland. Die Schleuser pferchen oft mehr als 40 Menschen in einen Kastenwagen und verlangen bis zu 4000 Euro pro Mitfahrer. Delal ist mit ihrem Ehemann und den beiden kleinen Töchtern gesund angekommen. 20 Tage hat ihre Flucht aus Syrien gedauert - zu Fuß, mit dem Schiff, vielen Bussen und zuletzt mit einem Taxi von Ungarn über Österreich nach Deutschland. "Deutschland ist besser als alle anderen Länder. Wir wollen hier in Frieden leben", sagt sie.
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