Prozess: Anwältin gesteht Hilfe für Einbrecherbande - Bewährungsstrafe in Aussicht
One-Night-Stand für Infos

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Bayern
12.06.2015
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Eine Anwältin hat für eine Einbrecherbande Informationen über den Stand der Fahndung besorgt und sogar deren Beute im Auftrag eines Mandanten verkauft. Doch die Sache flog auf, und seit Donnerstag muss sich die 46-Jährige vor dem Münchner Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf Bandenhehlerei, Strafvereitelung und Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses.

Gleich zu Prozessauftakt legte die Juristin ein Geständnis ab. Sie habe einen befreundeten Kriminalbeamten angestiftet, Informationen über den Stand der Ermittlungen herauszugeben. Zudem habe sie Beihilfe zur Hehlerei von Diebesgut geleistet. Für dieses Geständnis kann sie mit einer Bewährungsstrafe zwischen zwölf und 18 Monaten rechnen, gab der Vorsitzende Richter als Ergebnis eines Gesprächs zwischen den Beteiligten bekannt.

Die Juristin war 2014 von der Schwester des mutmaßlichen Bandenchefs als Verteidigerin engagiert worden. Für den Mandanten gab sie auch Anweisungen weiter, was mit gestohlenen Wertsachen zu geschehen habe. Sie habe "nicht ausreichend nachgedacht", sagte die 46-Jährige. Mit ihr auf der Anklagebank sitzt wegen Hehlerei die Lebensgefährtin ihres Klienten. Die 24-Jährige darf für ihr Geständnis ebenfalls auf Strafaussetzung hoffen.

Die Rechtsanwältin hat die von ihr weitergegebenen Informationen über den Stand der Fahndung von einem stellvertretenden Kommissariatsleiter beschafft. Der Beamte habe ihr seit 2003 immer wieder mal Auskünfte besorgt, gab die Angeklagte zu. Eine feste Beziehung habe sie zu dem Polizeihauptkommissar nicht gehabt, sagte die 46-Jährige auf Frage des Vorsitzenden, "es gab mal einen One-Night-Stand". Der Beamte kam mit einer Geldstrafe davon und ist wieder im Dienst.

Der mutmaßliche Bandenchef und drei Mitangeklagte, darunter eine Mitarbeiterin des Finanzamts, stehen seit 1. Juni vor einer anderen Strafkammer. Der Gruppe werden 202 Einbrüche mit einer Beute im Wert von insgesamt rund 2,4 Millionen Euro in den Jahren 2004 bis 2014 vorgeworfen.
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