Prozess nach 15 Minuten vertagt

Mit dreiwöchiger Verspätung begann der Prozess gegen den mutmaßlichen Sexualmörder der kleinen Franziska vor dem Landgericht in Ingolstadt. Bild: dpa
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Bayern
10.02.2015
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Verschleppt, auf brutale Weise sexuell missbraucht und erschlagen - das Martyrium der zwölfjährigen Franziska bewegte vor einem Jahr die Menschen weit über die Region Ingolstadt hinaus. Nun muss sich ein 27-Jähriger wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Die Richter sitzen bereits auf ihren Stühlen, ebenso der Staatsanwalt, die Vertreterin der Nebenklage und die beiden Verteidiger - nur der Angeklagte fehlt. Der Vorsitzende Jochen Bösl macht die Fotografen noch einmal darauf aufmerksam, dass sie den 27-Jährigen nur im Gesicht unkenntlich gemacht zeigen dürfen. Dann wird der mutmaßliche Mörder in den Sitzungssaal des Ingolstädter Schwurgerichts geführt.

Ohne Handschellen und ohne Fußfesseln, in schwarzer Jacke mit Kapuze lässt er am Montag das Blitzlichtgewitter über sich ergehen. Sein Gesicht verbirgt er nicht, als er sich auf seinen Platz setzt. Nun soll der Prozess um den grausamen Sexualmord beginnen. Doch nach Verlesung der Anklageschrift ist der erste Tag schon wieder vorbei - es ist eine knappe Viertelstunde vergangen.

Neue Zeugenaussagen

Der Vorsitzende verkündet, dass es neue Zeugenaussagen gibt, die Verteidiger Adam Ahmed erst gründlich lesen will. Sie entstanden in den Tagen, nachdem der Angeklagte in der Untersuchungshaft von seinem Zellenmithäftling niedergestochen worden war. Kindsmörder stehen in der Gefängnishierarchie auf unterster Stufe, womöglich war Hass auf den Angeklagten das Motiv der Attacke.

Jedenfalls will der Verteidiger diese Aussagen erst gründlich studieren, ehe der Prozess am 25. Februar richtig beginnt. Dann wird sich möglicherweise auch der Angeklagte zu den Vorwürfen äußern. Ahmed machte aber vor Journalisten deutlich, dass sein Mandant den Sexualmord bisher nicht gestanden habe, obwohl der Gerichtssprecher dies geäußert haben soll. Schon jetzt sagt der Anwalt, dass er an eine Sicherungsverwahrung seines Mandanten nicht glaubt. Am ersten so kurzen Verhandlungstag spielt auch ein sogenannter "Gefährder" eine wichtige Rolle. "Aus dem familiären Umfeld", so der Gerichtssprecher, habe es konkrete Drohungen gegen den Angeklagten gegeben. Es soll sich um Franziskas Halbbruder handeln. Die Polizei nimmt sich den jungen Mann vor, dann heißt es, er habe die Drohungen zurückgenommen. Er darf die Verhandlung verfolgen.

Zuschauer durchsucht

Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Alle Beteiligten werden vor Betreten des Sitzungssaales auf Waffen durchsucht. Ein Sprengstoffspürhund ist im Einsatz. Zu groß erscheint dem Gericht die Gefahr, dass jemand einen Anschlag auf den mutmaßlichen Mörder verüben könnte.

In ruhigem Tonfall trägt Staatsanwalt Jürgen Staudt die Anklageschrift vor. Noch vor dem Mord soll der 27-Jährige eine junge Frau vergewaltigt, ein Mädchen sexuell missbraucht haben. Franziska wurde wohl ein Zufallsopfer. Die Kleine war auf den Heimweg vom Spielen mit Freunden in Nassenfels bei Ingolstadt ins nahe Adelschlag. Dabei lauerte der mutmaßliche Mörder dem Mädchen auf. Am nächsten Tag fanden Angler die Leiche des Mädchens im Weiher treibend.
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