Prozess wegen Mordes an Polizisten geht weiter
Neuer Anlauf mit Hindernissen

Die Ermittlungsakten im Prozess gegen den mutmaßlichen Polizistenmörder sind durch eine wahre Flut an Befangenheitsanträgen der Verteidigung gegen insgesamt zwölf Richter noch umfangreicher geworden. Bild: dpa
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Bayern
23.09.2014
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Das Augsburger Landgericht verhandelt erneut wegen des Mordes an dem Streifenpolizisten Mathias Vieth. Vor sieben Monaten wurde bereits ein Mann verurteilt, nun steht der ältere Bruder vor Gericht - zum zweiten Mal. Der Prozess soll bis Frühjahr 2015 dauern.

Zweiter Anlauf in einem der spektakulärsten Mordfälle der vergangenen Jahre in Bayern: Seit Montag verhandelt das Landgericht Augsburg erneut gegen einen 61-Jährigen wegen der Ermordung des Polizisten Mathias Vieth. Der Rentner ist wegen Mordes und weiterer schwerer Straftaten angeklagt.

Er stand bereits im vergangenen Jahr wegen des Verbrechens an dem 41 Jahre alten Streifenbeamten vor der Strafkammer. Damals wurde das Verfahren gegen ihn allerdings ausgesetzt, weil der Angeklagte an Parkinson leidet und nach mehreren Monaten Prozessdauer nach Ansicht eines Gutachters nicht mehr verhandlungsfähig war. Auch am Montag machte der 61-Jährige in der Verhandlung einen gebrechlichen Eindruck und zitterte stark.

Gegen den jüngeren Bruder ging der Prozess damals weiter. Der wegen eines Polizistenmordes Mitte der 1970er Jahre vorbestrafte Mann war Ende Februar wegen Beteiligung an der Ermordung Vieths wieder zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Die Verteidiger hatten Freispruch gefordert und fechten das Urteil mit einer Revision beim Bundesgerichtshof an.

Urteil macht befangen

Beide Brüder schwiegen bislang zu den Vorwürfen. Das Urteil gegen den Jüngeren bedeute keine Vorverurteilung des Älteren, betonte die Kammer am Ende des ersten Prozesses vor sieben Monaten. Die Verteidiger des 61-Jährigen lehnten dennoch die Berufsrichter wegen Befangenheit ab. Sie könnten nicht unabhängig in dem neuen Prozess entscheiden, nachdem sie schon den Bruder verurteilt hätten, meinen die Anwälte.

Am vergangenen Freitag kam es dann zu einem wahren Antrags-Pingpong zwischen der Verteidigung und dem Augsburger Gericht. Gegen insgesamt zwölf Richter gingen Befangenheitsanträge ein. Erst wenige Minuten vor Prozessbeginn wurden diese schließlich zurückgewiesen. Daraufhin konnte die Anklage verlesen werden. Anschließend wurde der Prozess nach weniger als einer Stunde vertagt. Auch in dem neuen Verfahren werde sich der 61-Jährige nicht zum Mordvorwurf äußern, kündigte sein Verteidiger Werner Ruisinger an.

Die Brüder sollen Vieth im Oktober 2011 nach einer nächtlichen Verfolgungsjagd in einem Augsburger Wald bei einer wilden Schießerei umgebracht haben. Das Gericht hat 41 Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil könnte es im März geben.
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