Qualzucht bei Haustieren

Kurzschnauzige Rassen wie der Mops sind oft kurzatmig. Bild: dpa
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Bayern
30.10.2015
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Gesundheitliche Probleme bei Haustieren zeugen nicht selten von fehlgeleiteter Zucht. Deutschlands Tierärzte wollen Züchter und Besitzer künftig besser aufklären und den Tieren so weitere Leiden ersparen.

Katzen ohne Fell, besonders kleine Hunde mit besonders großen Augen: Die Bundestierärztekammer warnt, dass Züchtung bei Haustieren oft zur Qual für das Tier wird. Jedoch sind die Tierärzte gegen eine Verschärfung des Tierschutzgesetzes. Aufklärungsarbeit bei Züchtern und Besitzern sei sinnvoller, sagte Tiermediziner Martin Kramer am Rande des 27. Deutschen Tierärztetages am Donnerstag in Bamberg.

Hunde bleiben ewig süß

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Große Augen, so vermutet Kramer, sind beliebt, weil sie das "Kindchen-Schema" erfüllen - so wirkt auch ein ausgewachsener Hund ewig süß wie ein Welpe. Die Folge: Augenkrankheiten. "Das ist nicht niedlich - die Tiere sind krank", betont Kramer. Qualzucht bedeutet, dass Zuchtergebnisse für ein Tier gesundheitliche Probleme mit sich bringt: Katzen ohne Fell etwa fehlen die wichtigen Tasthaare. Hunde wie Mops oder die englische Bulldogge seien häufig kurzschnauzig und litten deshalb unter Atemnot. Häufig seien bei Tieren aus Qualzucht auch Haut- oder Augenprobleme festzustellen. Tiere mit extrem dichtem Fell können bei warmem Wetter ersticken.

Kramer, Professor für Tiermedizin in Gießen, nennt den Bernhardiner als weiteres Beispiel: Der war mal im Gebirge zur Rettung im Schnee verschütteter Menschen im Einsatz und wog bis zu 50 Kilo. Heute bringt ein Tier schon mal 75 Kilo auf die Waage und ist so einfach zu schwer. "Der muss selbst gerettet werden, wenn er vom Weg abkommt", sagt Kramer.

Umdenken notwendig

Die Liste möglicher Tierleiden ist lang. Eine Gesetzesverschärfung sensibilisiere die Menschen jedoch nicht für das Thema, fürchtete Kramer: Dann würden die Tiere im Zweifel einfach im Ausland gekauft. Es sei ein Bewusstseinswandel notwendig.

Erst Ende September hatte der Fall eines Nacktkaters aus Berlin für Aufsehen gesorgt: Ein Gericht bestätigte eine Entscheidung des Bezirksamts Spandau, wonach das Tier kastriert werden muss, um eine Qualzucht von Nacktkatzen zu verhindern. Würden diese Tiere nicht mehr bei Rasseschauen zugelassen, werde sich die Zucht verändern, hofft die Bundestierärztekammer.

Die Tierärzte tagen noch bis zu diesem Freitag in Bamberg. Nach Angaben der Kammer arbeiten in Deutschland rund 39 000 Veterinäre - mehr als 22 000 davon sind Frauen.
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