Regionale Kooperationen können die Patientenversorgung sichern
Gesundheit im Netzwerk

Adrian Schmidt: "Ein AOK-Patient im Netzwerk ist zehn Prozent günstiger als ein nicht über UGOM versorgter Patient."
Archiv
Bayern
29.02.2012
3
0

Schreckensszenario Krankheit: Auf dem Land müssen Patienten oft viele Kilometer bis zum nächsten Arzt fahren. Die Zahl der niedergelassenen Hausärzte sinkt, Kliniken schließen. Wer in der nördlichen Oberpfalz der Zukunft krank wird, hat schlechte Aussichten - könnte man meinen.

In Amberg und Sulzbach-Rosenberg schlossen sich über 80 niedergelassene Haus- und Fachärzte und die Kliniken St.Marien in Amberg, St. Anna in Sulzbach-Rosenberg und St. Johannes in Auerbach sowie das Gesundheitszentrum des Klinikums St.Marien (MVZ) zu einem "Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte GmbH (UGOM)" zusammen.

Dieses Netzwerk entwickelt und "lebt" bereits eine andere, wegweisende Form der Kooperation zwischen Medizinern, Patienten und der AOK Bayern als Krankenkasse - und spart dabei sogar Kosten für das Gesundheitswesen. Die Idee dahinter ist der vernetzte Patient - vernetzt mit Ärzten, Kliniken und Dienstleistern im Gesundheitswesen. Patienten, die sich entschlossen haben, am Modell teilzunehmen, greifen dabei auf einen "Pool" an Medizinern zurück. Ausgehend von einem "Betreuungsarzt" - ähnlich dem klassischen Hausarzt - sucht sich der Versicherte ein "individuelles Gesundheitsteam". Die Patientendaten sind in diesem Modell "geteilte Daten", die Versichertenkarte der Schlüssel dazu.
Diese Struktur ermöglicht es auch in Zukunft, Kosten zu sparen und damit auch auf dem flachen Land eine ärztliche Versorgung auf Dauer sicher zu stellen. "Das Netzwerk UGOM kann Versorgungslücken schließen", betont Adrian Schmidt, Netzwerkmanager beim Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte. "Telemedizinische Ansätze und eine Kultur der Zusammenarbeit machen das möglich." Schon jetzt sorgt das Netzwerk dafür, Vertretungsärzte in die Region zu schicken. "Man muss sich immer fragen, ob es besser ist, den Arzt zum Patienten zu schicken oder umgekehrt", so Adrian Schmidt.

Überschaubares Modell

Das Prinzip des Netzwerks, das in der Region Amberg-Sulzbach im Einsatz ist, kann Schmidt zufolge auch in anderen Regionen starten. "Das Modell funktioniert, weil es regional begrenzt und damit überschaubar ist. Die Ärzte kennen sich und stimmen sich untereinander ab." Einfach verpflanzen lasse sich das Prinzip aber nicht. Zum Start brauche es eine kleine Gruppe von Ärzten, die das umsetzen. Eine Vielzahl von kleinen Zusammenschlüssen, die nebeneinander und regional handeln, erhöht auch die Durchlässigkeit für Patienten bei einem Wohnortwechsel. Bewährte und manchmal liebgewonnene Gewohnheiten müssen also nicht aufgegeben werden.
Kliniken und ambulante Zentren bleiben für die Versorgung unverzichtbare Kooperationspartner. Damit Krankenhäuser auf Dauer kostendeckend arbeiten können, sollten sie, Schmidt zu Folge, die Fälle behandeln, die dort auch hingehören. "Im ambulanten Bereich gibt es keine Versorgungseinbußen." Es sei auch nicht erforderlich, dass alle Häuser Vollversorgung in jeder Fachrichtung oder alle - zumeist sehr teuere - Geräte vorhalten müssen. Spezialisierungen können zu Entlastungen des Systems führen.

Auch die Krankenkassen sind gefordert, solche Modelle zu fördern. "Es funktioniert nur, wenn es von den Kassen unterstützt wird", so Adrian Schmidt. "Das geht nicht alles von heute auf morgen. Die Kassen müssen mitspielen und auch etwas Geduld haben, bis das System greift. Schließlich ist bei uns ein AOK-Patient im Netzwerk zehn Prozent günstiger als ein nicht von der UGOM versorgter Patient. Und das gesparte Geld fließt in die Solidargemeinschaft zurück."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.