Rund jeder fünfte Einwohner Bayerns hat Migrationshintergrund
Politiker fordern neue Willkommenskultur

Grafik: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
Archiv
Bayern
18.12.2014
25
0
 

Das Statistische Bundesamt zählte nach: Rund elf Millionen Einwanderer leben in Deutschland, im Freistaat Bayern verfügen rund 20 Prozent der Bevölkerung über einen Migrationshintergrund. In der Oberpfalz leben überdurchschnittlich wenige von ihnen. Zum Internationalen Tag der Migranten am Donnerstag fordern Politiker eine neue Willkommenskultur.

Deutschland müsse mehr auf Zuwanderer zugehen, forderten die Politiker am Donnerstag. «Das schwierige ist nach wie vor die fehlende Toleranz im Alltag», sagte FDP-Chef Philipp Rösler. Deutschland müsse Migranten leichter Visa ausstellen, bislang würden Zuwanderern zu viele Steine in den Weg gelegt.

SPD-Chef Sigmar Gabriel machte sich erneut für die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft stark: «Das ist längst überfällig.» Zu einer echten Willkommenskultur gehöre nicht die Aufgabe der einen Staatsbürgerschaft, sondern die zusätzliche Vergabe des deutschen Passes.

"Wir-Gefühl" aufbauen

«Zum Aufbau eines Wir-Gefühls in Deutschland sind verstärkte Anstrengungen nötig», findet auch die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU). «Die Botschaft lautet: Jeder in Deutschland ist unabhängig von seiner Herkunft wichtiger Teil unseres Landes.»

"Wir heißen Zuwanderer willkommen, die sich bei uns als Teil der Gesellschaft einbringen und etwas zurückgeben wollen. Es bedarf beiderseitiger Anstrengungen, damit eine Gesellschaft zusammenwächst. Die Anerkennungskultur in unserem Land muss weiter gestärkt werden. Dazu gehört, motivierten Menschen", sagte Michael Frieser, Integrationsbeauftragter der CSU-Bundestagsfraktion.


Migranten in Deutschland: Zahlen und Fakten

Fast sieben von zehn Personen (68 Prozent) mit Migrationshintergrund sind selbst aus dem Ausland nach Deutschland gezogen. Untersuchungen zum Migrationshintergrund werden seit 2005 mit Daten des Mikrozensus, einer jährlichen Stichprobenerhebung bei einem Prozent der Bevölkerung, durchgeführt.



Als Menschen mit Migrationshintergrund gelten dabei Personen, die

keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder
im Ausland geboren wurden und
seit 1950 zugewandert sind oder
die einen Elternteil mit ausländischer Staatsangehörigkeit haben bzw. bei denen ein Elternteil aus dem Ausland zugewandert ist.
Von den im Freistaat lebenden 2,49 Millionen Zugewanderten und ihren Nachkommen hatten 1,17 Millionen (47 Prozent) eine ausländische Staatsangehörigkeit, 1,32 Millionen besaßen hingegen einen deutschen Pass.

Migranten sind jünger

Knapp 28 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund waren jünger als 20 Jahre; bei den Menschen ohne Migrationshintergrund waren es dagegen nur rund 16 Prozent. Entgegengesetzt verhält es sich bei den 65-Jährigen oder Älteren: Zu dieser Altersgruppe zählte nur rund jeder zehnte Einwohner mit Migrationshintergrund, aber fast ein Viertel derjenigen ohne Migrationshintergrund (23 Prozent).

Insgesamt hatte rund ein Drittel (33 Prozent) aller Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund, darunter haben nur knapp neun Prozent eine eigene Migrationserfahrung. In der Altersklasse der 20- bis 24-Jährigen waren 56 Prozent selbst aus dem Ausland zugewandert, bei den 25- bis 35-Jährigen waren es bereits 82 Prozent.

Die meisten Migranten kommen aus Europa

Insgesamt leben hierzulande Migranten aus 194 Staaten. Dazu kommen 5,8 Millionen Deutsche mit ausländischen Wurzeln. Von den 2,49 Millionen Personen mit Migrationshintergrund hatten fast drei Viertel (74 Prozent) ihre Wurzeln in einem europäischen Land. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren die Türkei mit 12,8 und Polen mit 11,4 Prozent die Hauptherkunftsländer.

Der Herkunftsregion Afrika waren rund 58 000 Migranten zuzurechnen, Amerika etwa 77 000 und Asien, Australien oder Ozeanien 331 000. Nach UN-Schätzung leben weltweit 214 Millionen Menschen außerhalb ihres Heimatlandes.


Wenige Migranten in der Oberpfalz

Unter den sieben bayerischen Regierungsbezirken wiesen Oberbayern mit 24 Prozent und Mittelfranken mit 23 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund auf. Demgegenüber lagen die Anteilswerte in der Oberpfalz und Oberfranken mit 13 beziehungsweise 12 Prozent am niedrigsten (siehe Foto).