Schießen aus Frust und Lust

Der Autobahnschütze soll über Jahre hinweg vom Lenkrad aus auf andere Fahrzeuge geschossen haben. Bild: dpa
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Bayern
21.10.2014
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Aus Wut über andere Lastwagenfahrer spielte der Autobahnschütze laut Anklage "Roulette" mit deren Leben. Dafür soll er nach dem Willen der Anklage zwölf Jahre in Haft. Die Verteidiger wollen Freispruch. Spricht ihn das Gericht wegen versuchten Mordes schuldig?

Im Prozess gegen den Autobahnschützen aus der Eifel hat die Anklage zwölf Jahre Haft für den Beschuldigten gefordert. Der 58-Jährige habe bei der Abgabe der Schüsse "Roulette mit dem Leben anderer Verkehrsteilnehmer" gespielt, befand Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen am Montag im Plädoyer vor dem Landgericht Würzburg.

Der Mann hatte gestanden, jahrelang von seiner Fahrerkabine aus auf andere Lastwagen geschossen zu haben. Als Motiv gab er unter anderem Frust im Straßenverkehr an. Er beteuerte am letzten Prozesstag erneut, dass er nie jemanden umbringen oder verletzen wollte. "Ich möchte sagen, dass ich kein Mörder bin." "Der Angeklagte konnte bei keinem seiner Schüsse darauf vertrauen, dass er niemanden trifft", sagte der Staatsanwalt. Der Fernfahrer sei daher wegen mehrfachen versuchten Mordes schuldig zu sprechen.

Datenerhebung unzulässig

Die Verteidigung sieht das anders. Die massenhafte Erfassung von Autokennzeichen, die zur Überführung des Serientäters geführt hatte, sei rechtlich unzulässig gewesen, betonte Verteidiger Franz-Josef Krichel und forderte deshalb Freispruch. Diese Daten hätten ohne richterlichen Beschluss gar nicht erst erfasst, geschweige denn ausgewertet werden dürfen. Sollte die Strafkammer dieser Einschätzung nicht folgen, plädierte die Verteidigung auf eine Strafe von sechs Jahren. Das frühe Geständnis und die Kooperation bei der Suche nach den Tatwaffen (zum Abgleich der Projektile) sei als strafmildernd anzurechnen, meinten beide Seiten übereinstimmend.

Dennoch seien alle Schüsse auf die Aufbauten und Anhänger von Lastwagen in "hohem Maße von eigensüchtigem Verhalten" bestimmt gewesen, meinte Staatsanwalt Raufeisen. Anfangs habe er lediglich "zum Frustabbau geschossen". Mit dem Wechsel auf eine Waffe größeren Kalibers sei jedoch "das Motiv der Lust des Schießens" dazu gekommen. Das Urteil soll am Donnerstag, 30. Oktober, verkündet werden.
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